Berliner Bomben Chor - eine Bandname, der Hauptstadtverliebtheit, Angriffslust und nicht zuletzt einen gewissen Machtgedanken imitiert. Vielleicht gerade deshalb wirken diese drei Worte wie ein schlechtes Provokationskonzept, um genau die Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie mit ihrer Musik sonst nicht erreichen würden. Hinter den Namen BBC verstecken sich fünf Musiker aus den Bands Bellgrave, Pharao, Morbid Mind und Devilskiss, die selbsternannten Satanic Blues & Roll auf die Bühne bringen. Übersetzt bedeutet das: Ihr Debüt 'With Greetings From Hell' bietet eine wilde Mischung aus Metal, Gothic, Hardrock, Neue Deutsche Härte und vielen anderen unaufzählbaren Einflüssen. Der Opener 'Black Snake' kommt recht unspektakulär daher. Treibende Gitarren jagen dem gezügelten Gesang Ilja Muromez' hinterher, der den Namen eines sagenumwobenen Helden der alten Kiewer Tafelrunde übernommen hat. Das Wechselspiel zwischen seiner tief krächzenden Männerstimme und Chrissy van Farms unauffälligem Zuspiel im Refrain verspricht Abwechslung, entpuppt sich jedoch stellenweise als reinste Zumutung. Denn der Nachfolger 'Rebel Angel N.1' erinnert daran, wie unendlich schmerzhaft Frauengesang sein kann. Im Falle Chrissys eigentlich keine Überraschung, denn schon bei früheren Gastauftritten, wie bei Morbid Minds 'Deadly Incorporated' (Rezension lesen), hinterließ die Dame keinen angenehmen Eindruck. Aber so negativ wie dieses besagte Stück fällt glücklicherweise kein zweites aus, obwohl der Versuch in 'The One With The Nails', opernhaften Symphonic Metal darzubieten, nicht weit davon entfernt ist. Eingeleitet vom Sirenengeheul, küren sich die Berliner im Titelsong 'bomben chor' selbst zu Götter, was selbst für Bands, die an die 20 Jahre Musikgeschichte auf den Buckel haben, schon großkotzig ist. Bei einem so durchwachsenen Debüt, wie BBC es hier abliefern, grenzt diese Aussage an Frechheit. Hinzu kommt der parolhafte Zwei-Wort-Refrain, der wohl die Hirne ihrer Hörerschaft nicht überstrapazieren soll. Dass der Song nicht wirklich ernst gemeint sein kann, ist klar... oder wenigstens zu hoffen. Das gleiche gilt für das grammatisch entstellte Versprechen 'Wir spieln für dir', welches sich Chrissy des öfteren verführerisch herausquetscht. Hat da jemand etwa die Grundschule geschwänzt? Oder haben die fünf Berliner einfach nur einen abstrusen Sinn für Humor? Gewöhnungsbedürftig ist ihr Debüt, das keinen Stil erkennen lässt. Lediglich die stets rockenden Gitarren und die gesangliche Dominanz Iljas bleiben die Konstante. Doch diese Ziellosigkeit ist nicht weiter verwunderlich, denn der BBC startete - wie so viele Musiker - als Coverband, was noch heute nicht zu überhören ist. Von Rammstein in 'Bomben Chor' und Metallica in 'Down In Black' bis hin zu Bad Religion in 'Dancing on my back' wurde hier einiges kopiert. Anstatt 'With Greetings from Hell' hätten sie ihr Erstlingswerk 'With Greetings from other Bands' taufen sollen. Das beweist, dass der Gesangsverein noch nicht reif genug ist, ein eigenes Album auf den Markt zu bringen. Erst wenn man seinen Stil gefunden hat und nicht mehr über die Schulter der Großen stieren muss, lohnt sich der Gedanke einer ersten Platte. Andernfalls kommt - so wie hier - ein Debüt zustande, dass nicht sonderlich homogen klingt, gelegentlich sogar nervt.