Wenn in Stockholm die Tage eigentlich Nacht sind und das Licht sich nur für sehr kurze Zeit hervorwagt, sitzen Bored Man Overboard in ihrem Proberaum und basteln die passende Musik zur skandinavischen Schwermut. Diese Vorstellung manifestiert sich zumindest, während das Debüt des schwedischen Septetts, 'Rogue' betitelt, im Player rotiert. So ein bißchen Hype konnte sich die Band bereits sichern: Die beiden vorab erschienenen EPs sind vergriffen, der 'Sinner Song' wurde im Trailer zur Serie 'Dexter' verwendet und die Fachpresse raunt von 'den schwedischen The National' oder 'den verlangsamten The Gaslight Anthem'. Etwas Hymnisches haben Bored Man Overboard tatsächlich an sich, mit dem Quartett aus New Jersey bestehen allerdings keinerlei Gemeinsamkeiten. Da, wo The Gaslight Anthem die Dinge auf den Punkt bringen, brauchen die Skandinavier oftmals eine halbe Ewigkeit, um überhaupt in die Nähe dessen zu kommen, was sie eigentlich mitteilen wollen. Will heißen: Der Songaufbau zieht sich teilweise wie Kaugummi. Da wird gefrickelt, eine Lage Sounds über die nächste gepackt, sämtliche Instrumente aus der studioeigenen Rumpelkiste beinahe zwanghaft integriert. Piano, Violine, Trompete, Percussion - jeder will mal drankommen. Dass das irgendwann in orchestralen Bombast ausartet, ist unvermeidlich - und auf Albumlänge schlicht anstrengend. Viele Songs berühren, da sie zunächst simpel daherkommen ('9th Grade', 'Sinner Song') und Sänger David Kahn einfach eine unverwechselbar eindringliche, faszinierend gefärbte Stimme hat, die so vieles ganz großartig erzählen kann. Doch dann - zack! - wird wieder in die Vollen gegangen und die Atmosphäre ist dahin. Das frustriert und macht auch ein klein wenig ärgerlich. Der einzige Track, der in voller Länge schlicht großartig ist, ist 'There's No Room In This Evil Heart'. Kein absolutistischer Pomp, keine aufgeblähten Rüschen, hätte sich auch gut auf einem Pixies-Album gemacht. 'Rogue' hätte ein großartiges Album werden können, wenn Produzent Kaneoka One (Daniel Johnston, The Audience, King Khan) den wortwörtlichen Spieltrieb der Band ein wenig gezügelt und reduziert hätte. Nicht nur, dass es einfach zu viel des Guten ist. Leider geht auch Kahns großartige Stimme in dem Tamtam oft genug unter, die Texte werden unverständlich - und das ist mehr als schade.