Zwei Jahre ist es her, dass die Beatsteaks verkündeten, erst einmal zu pausieren. Nachdem 'limbo.messiah' einschlug wie eine Bombe war die Band beinahe ununterbrochen auf Tour, was durchaus nicht unanstrengend ist. Die Fans hatten Verständnis, trotzdem blieb ein bitterer Nachgeschmack: Wie lange dauert der Break? Und wie wird das neue Album klingen, falls es überhaupt eines geben wird? Ende 2010 dann die ersten Lebenszeichen der Jungs: Zunächst kamen die Noten zu 'Milk & Honey', im Dezember schließlich die Single - und ein erleichtertes Seufzen der Fangemeinde, die zeitweise bereits die Auflösung befürchtete. Jetzt, endlich, wandert der lang ersehnte Longplayer in die Regale: 'Boombox'. 'Boom' macht es tatsächlich, sobald die Platte im Player rotiert: Der Opener 'Fix It' bläst einen mit bolldernden Drums, rauh zerrenden Gitarrensounds und Arnims leicht irrem Gesang direkt gepflegt von der Couch - und schon fühlt sich der Hörer im Beatsteaks-Universum zu Hause. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass die Platte in der Intimität des bandeigenen Proberaums aufgenommen wurde. Der ein oder andere Aha!-Effekt fehlt natürlich nicht, wobei die elf Tracks auch beim zehnten Hören noch spannend sind. Die erste unerwartete Begegnung erfolgt mit 'Let's See', einer großartigen Ska-Nummer, die den beschissenen Schnee vor dem Fenster in den Arsch tritt und verspricht, dass alles gut wird, egal was ist - 'You'll be fine I guarantee'. Das obligatorische, Moshpit-taugliche Punkbrett darf natürlich auch nicht fehlen und tritt in Form von 'Bullets From Another Dimension' an - 'This is the time for pigs to fly'. Die Drumbeats schießen nur so aus den Boxen, die Gitarre gibt Vollgas und Arnim beweist einmal mehr, dass er nicht nur aggressiv ins Mikro rotzen, sondern auch schön singen kann. Wie schon auf den letzten beiden Platten überlässt Teute den Gesang auch auf 'Boombox' stellenweise den lieben Kollegen. Peter darf mit 'Under A Clear Blue Sky' wieder Emotionen versprühen und versprechen, dass er immer da sein wird: 'No matter what will come / I'm gonna cheer you up'. Ungewohnt: Intro und Chorus kommen im 3/4-Takt daher. Ob das live zu Wiener-Walzer-Circle-Pits führt? Bernd hat mit 'Behaviour' Gelegenheit, einmal mehr den zornigen Punk in sich raus zu lassen und schön gegen die Gesellschaft anzubrüllen - wenn auch etwas zahmer als zu 'Loyal To None'-Zeiten. Wer dachte, dass es auf Albumlänge genauso poppig zugeht wie in 'Milk & Honey' hat sich - gottlob, muss man fast sagen - getäuscht: 'Boombox' ist ein Biest, dass die Ketten der Konvention sprengt und sich nicht darum schert, was andere von ihm erwarten. Stellenweise scheint die Anarchie das Zepter zu übernehmen, denn häufig entsteht der Eindruck, dass jeder gerade das spielt, was er will. Und trotzdem finden spätestens beim Chorus wieder alle zusammen. Manch einer mag den wilden Stilmix als Gefälligkeit oder Anbiedern an den Mainstream definieren - schön und gut. Dabei wird allerdings vernachlässigt, dass die Platte zum einen die musikalischen Vorlieben der fünf Bandmitglieder wiederspiegelt, und zum anderen ganz klar aufzeigt, was 'Punk' eigentlich bedeutet: Mach was Du willst, scheiß drauf, was der Rest der Welt davon hält, und hab Spaß dabei!