Ein bisschen klischeehaft kommt er daher, Bob Wayne aus Seattle, mit Cowboystiefeln, riesiger Gürtelschnalle und coolen Posen. Aber er meint es ernst: 'If that ain't country, I'll kick her fucking ass.' So stellt er sich vor im Opener seines Debütalbums 'Outlaw Carnie' und beschönigt nichts. Er ist kein Romeo, kein Gentleman, kein Arschkriecher. Er ist keiner, der den Damen schmeichelt oder einen Streit im Suff sanft ausdiskutiert. Bob Wayne pflegt kein gekünsteltes Oulaw-Image - wenn ein Feeling so tief sitzt, dann kommt eben kein Larifari-Folk raus, sondern nur grundehrlicher, bärbeißiger Storyteller-Country. Auf 'Outlaw Carnie' empfängt einen ein durchgeknalltes Banjo, und das hält, was es verspricht. Spätestens beim folgenden 'Estacata' kann man förmlich das irre Grinsen des Sängers sehen, den Schweiß des unermüdlich groovenden Drummers riechen und wundert man sich gar nicht, dass der Geiger es frech auf die Höhe treibt. 'Hope you like that taste of dirt ringing out of my right hand' - reine Rhetorik. Die Texte dazu haben oft einen derben Witz, aber so manche Geschichte der Art von 'Blood to Dust' geht echt an die Nieren. Solch weise und abgeklärte Attitüde kommt eben nicht von einem sorgelosen Leben; da geht es vielmehr um den alltäglichen Wahnsinn zwischen Trennung, Alkohol, Drogen und Tod. Nun könnte man sich fragen, wie ein Debütalbum soviel Seele haben kann. Wenig überraschend ist Bob Wayne schon seit Jahren musikalisch unterwegs, und die korrekte Statistik zählt ganze drei Alben, die zuvor ganz DIY-like auf selbstgebrannten Rohlingen unter die Leute gebracht wurden. Eine solche street credibility verpflichtet, und so geben sich auf seinem ersten offiziellen Longplayer unter anderem David Roe und Donnie Harran die Ehre, die bereits für Johnny Cash bzw. für Bob Dylan gespielt haben. Am Ende von 'Outlaw Carnie' hat man alle Höhen und Tiefen eines Menschenschicksals durchlebt und Bob Wayne spricht wie ein alter, vertrauter Freund zu einem. Das kann nur der Beginn einer wunderbaren, langen Freundschaft sein.