Mit einer Verzögerung von einem halben Jahr wird hierzulande das dritte Album von Bear Claw veröffentlicht. Dabei steht der Name nicht für die Tatze des Bären, sondern für die Donut-Art, die hier als Apfel- oder Kirschtasche bekannt ist. Die Band selber ist als ein Nebenprojekt von Hello Operator entstanden, das sich nach dem Schulabschluss der Bandmitglieder zu einem ernsthaften Vorhaben entwickelt hat. Dabei treten Bear Claw in die Fußstapfen der Chicagoer-Mathrockszene und veröffentlichen auch das dritte Album via Sickroom Records, dass Heimat für den Victim-Family-Nachfolger Triclops! und die Animations-Saga von Alexis Gideon ist. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass Steve Albini die Aufnahme des Albums übernommen hat und bereits bei den Vorgängeralben für die Produktion verantwortlich war. Er fängt das konstruierte Netz aus Stop-And-Go-Beats und melodischen Parts ein und gibt Bass, Gitarre und Schlagzeug den nötigen Raum für Experimente. Diese werden von einem regelmäßigen Wechsel aus Sprechgesang und gesungenen Passagen begleitet, während das Schlagzeug für innovative Muster sorgt. Dabei versucht die Band nicht einzuschränken, sondern überrascht verspielt melodisch oder geht in Richtung der späten Discord-Ära. So kann es passieren, dass nach einem harmlosen, melodischen Song, der mit dem Strophe-Refrain-Muster aufgebaut ist, im nächsten Stück das Schlagzeug plötzlich ausbricht und den Song dominiert. Zwar passen sich die beiden anderen Instrumente an, versuchen dennoch aus dem Schema mit kurzen Soli zu entspringen. Damit bauen Bear Claw eine Spannung auf, die die Songs zusammenhält und 'Refuse This Gift' bis zum Ende interessant macht.