Für die einen das Nonplusultra, für die anderen ist kein Superlativ zu groß um die Peinlichkeit dieser Band zu beschreiben – die Rede kann nur von Blutengel sein. (Oder von Unheilig...) Unheilig ist ein gutes Stichwort, denn Blutengel haben gerade auf dem neuen Album ein ungeheures Potential am Start, sich im Fahrwasser des kaum zu glaubenden Erfolges von Unheilig ebenfalls in die Munde aller deutschen Popkids zu bringen. Schmissige, mit extrem hohem Popappeal ausgestattete Melodien, und Refrains die auch für einfach gestrickte Hauptschüler mitsingbar sind – mit ähnlichen Zutaten haben Unheilig den größten Charterfolg einer deutschen Band gefeiert. Und Blutengel sind exakt auf diesem Qualitätslevel, warum sollten man diesen Erfolg also nicht wiederholen können? Los geht das Album nach dem Intro mit einer von 'Small Town Boy' geklauten Klaviermelodie, die sich zusammen mit dem deutschen Text in die Gehörgänge frisst. Danach allerdings kommt der erste Kulturschock – oh je, der singt auf Englisch! Spätestens hier ist der Zug für einen Großteil der potentiellen Downloadkäufer abgefahren, denn selbst mit übelstem deutschen Akzent und Texten auf dem Niveau eines Viertklässlers ist das immer noch Englisch, auch wenn des Englischen Mächtige dies wohl rabiat abstreiten würden. Die Melodien, Beats, Rhythmen und elektronischen Effekte bleiben immer schön nachvollziehbar, eingängig, manchmal bombastisch, manchmal langsam, aber niemals den Hörer mit obskuren Tonarten überfordernd. Die Produktion ist glatt und hochglanzpoliert, jeder Ton sitzt akkurat an der richtigen Stelle. Ein Schelm wer Böses dabei denkt und vermutet, dass sich Komponist und Produzent hingesetzt haben und auf das eben bereits beschworene unheilige Fahrwasser hingearbeitet haben. Bleibt die zugegebenermaßen wirklich imposante Stimme von Chris Pohl, die tatsächlich ihresgleichen sucht und dem Grafen nicht nachsteht, ganz im Gegenteil. Sonor, intensiv, durchdringend und somit der einzige Rettungsanker, über den dieses Album, so wie die Vorgänger auch schon, verfügt. Hier und da blitzt tatsächlich eine gewisse Düsternis auf, reißen spannende Effekte einen aus der Trance der monotonen Beats heraus, das sehr hörbare 'The Watcher' ist dafür ein gutes Beispiel. Die hin und wieder aufkeimende Hoffnung auf tatsächliche Kunst wird dann durch eine an Peinlich- und Prolligkeit kaum zu überbietende weibliche Stimme zerstört, so wie es bei 'Ordinary Darkness' der Fall ist. Was also genau ist Blutengel? Düstere Musik für die bildungsfernen Schichten jenseits von türkodeutschem Proletenrap? In gewisser Weise schon, aber Blutengel ist der Erfolg immer noch eher zu gönnen als Typen wie Menowin Fröhlich , den Atzen oder ähnlichen hirntoten Individuen. Denn immerhin IST das Musik, primitiv, einfach gestrickt, ja, aber man kann nachvollziehen und verstehen, warum diese Band eine große Fangemeinde hat. Außerdem ist es doch schön zu sehen, dass da jemand in deutschen Landen existiert, der seichte Ohrwürmer schreiben kann, OHNE dass Dieter Bohlen seine Finger im Spiel hat. Ein Track wie 'Down On My Knees' schreit lauthals nach einem Auftritt im sonntäglichen ZDF-Fernsehgarten, und das adelt ja schließlich jeden Künstler der etwas auf sich hält... Ähnlich wie Unheilig verkörpert Blutengel die dunklere Seite der spießigen Menschen mit Diddl-Mäusen im Schlafzimmer. Denn auch die einfachen Geister haben dunkle und helle Seiten in ihrem Leben. Die helle Seite wird dann eben von Justin Bieber erleuchtet und die Dunkle von Blutengel verfinstert. Es gibt wahrhaft Schlimmeres als das.