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BOSSE -  Wartesaal     Artist:  BOSSE
    Album:  Wartesaal
    Label:  Vertigo Berlin
    Release:  25.02.2011
   Medium:  Album
    Genre:  Indie-Rock Diesen Artikel ausdrucken 
    Autor:  maximilian Artikel per Mail versenden 
 

Da lehnt er am Stehtisch: lässiges Hemd, hochgekrempelte Hose, eine Bierflasche in der Hand, mit der er gestikuliert - und wenn er etwas betonen möchte, haut er Dir gegen die Schulter: Axel Bosse. Er ist der Kumpeltyp, der Dir beim morgendlichen Frühschoppen in der Ecke des Schützenfestzelts ein paar Weisheiten erklärt, die er gesammelt hat. Dass hier und da mal ein Wort nicht ganz zu passen scheint oder ein wenig gezwungen klingt, stört Dich nicht. Weil Ihr im Verlaufe dieses Frühschoppens doch das eine oder andere Bier trinkt, geht das schon in Ordnung. Aber Du siehst nicht nur darüber hinweg, nein: Du hörst ihm sogar gerne zu, bist beinahe ein wenig gefesselt - Bosse hat nämlich so eine schöne Sprachmelodie.

Direkt der erste Song 'Wartesaal' auf Bosses gleichnamigem viertem Album spiegelt diese Situation wieder, in der er seine Zuhörer anredet, wie es sonst eher beim Stammtisch üblich ist: 'Ey, wir sitzen im Wartesaal zum Glücklichsein. Und wir sitzen im Wartesaal und warten mal.' Doch mit einer gewissen Schwermut in der Stimme und einer dezenten Trompete im Rücken klingt diese Wortwahl gar nicht so unzulässig. So pustet Bosse eine Blase aus Heimeligkeit über zwei Menschen, die sich zwischen Tür und Angel begegnen: 'Und Du stützt Deinen Kopf auf einem Glas Weizen und ich stütz meinen Kopf, bis sie uns rausschmeißen. Und wir schauen uns nur an, wenn der andere nicht hinsieht.' Mit häufigem Einsatz von Bläsern, Streichern und Piano und weniger reinen GitarreSchlagzeugBass-Songs verfolgt Bosse den Weg, die er mit seinem vorigen Album 'Taxi' begonnen hat, weiter. Inhaltlich nimmt er sogar im Song 'Nach Haus' konkret Bezug auf dieses Motiv, indem er den entspannten, inneren Monolog eines Betrunkenen während der Heimfahrt auf der Rückbank eines Taxis wiedergibt: 'Ich schlafe ein, der nächste Schritt heißt Koma. Das Fenster unten und der Nachtwind rein. Ich seh die Bäume und ihre Wipfel so verschwommen, kann meinen Namen grad so lallen.' Zusammen mit 'Die Nacht', dem anderen Lied über nächtliche Ruhe, bildet 'Nach Haus' einen eher schleppenden Block des Albums.

Während in 'Die Nacht' die Bordsteine hochgeklappt sind, tobt dagegen in 'Metropole' auf der ganzen Straße das Gewimmel der Massen: 'Dein Herz war mal ruhig und leer. Jetzt ist es voll wie Shanghai und ziemlich vulgär.' Mit diesen geschusterten Reimen beschreibt Bosse das Gefühl, einen anderen Menschen nach langer Zeit wieder und dessen Herz überfüllt zu sehen, ohne noch einen eigenen Platz finden zu können. In einer packenden Gesangsmelodie, der leuchtende Bläser einen zusätzlichen Glanz verleihen, singt er im Refrain: 'Ich kann nicht mit Dir, doch ich kann auch absolut nicht ohne. Dein Herz ist eine Metropole. Dein Paradies ist betoniert. Komm zeig mir, wo ich wohne!' Die Worte sind nicht die ungewöhnlichsten, doch hat Bosse ein Talent dafür, sie unglaublich intensiv einzukleiden. Die Melodie geht daraufhin nicht mehr aus dem Kopf und ist bei jeder Wiederholung innerhalb des Stücks ein Hochgenuss.

Zwar getragen, aber nicht so einlullend wie die beiden Songs über die ruhige Nacht klingt 'Wende Der Zeit'. Die Verse 'Da, wo Deine Füße sind, beginnt die Wende der Zeit. Dort, wo sich Alt und Neu berühren, da stehst Du nun im Mittelpunkt der Zeit.' erinnern an das Stück 'Mittelpunkt Der Welt' von Element Of Crime. Wie angesteckt von deren Sinn für Alltagspoesie textet Bosse in diesem Lied: 'Dein Wecker sagt Dir, wann Du morgens aufstehen sollst - das Weinglas, wann Du schlafen gehst. Der Müllmann holt die Briefe einer Woche ab - jeden Mittwochmorgen um zehn.'

Mit 'Du Federst' und 'Die Regie' finden sich neben den ruhigen 'Die Nacht' und 'Nach Haus' auch zwei weitestgehend unauffällige, durchschnittliche Songs der beschwingteren Fraktion auf dem Album. Weder nerven sie, noch spielen sie sich in den Vordergrund. Dass er aus Midtempo-Stücken durchaus mehr rausholen kann, beweist Bosse in den sich überlappenden Gesangsspuren der Single 'Weit Weg' oder dem Song 'Roboterbeine'. Zum stacksigen, zappeligen Rhythmus, der die ungelenke Fortbewegung eines Roboters nachbildet, singt er hier: 'Und ich laufe so gegen mein Gefühl. Und ich laufe so wie auf Roboterbeinen. Und ich fühle nur, was mich nicht berührt - halt mich einfach nur auf den Roboterbeinen.' Erstaunlich ist, dass Bosse seinen großartigen 2006er-Song 'Frankfurt/Oder' nicht zerstört, indem er ihn seiner Zartheit beraubt und stattdessen einen Dance-Beat darunter legt. Dadurch, dass Anna Loos ihre weibliche Stimme beisteuert, erreicht der Song über den Besuch bei den Schwiegereltern in der Einöde eine neue Dimension. Jetzt singt sich das Paar gegenseitig zu, dass sie es, wenn sie beide dort sind, überall schön finden - 2006 war es noch nur der männliche Part gewesen, der diesem Gefühl Ausdruck verliehen hat. Der Text dieses Stücks bleibt weiterhin Bosses unangefochtenes Meisterwerk. Einfach wunderschön klingt es, wenn er beschreibt, wie eine Liebe es selbst 'mit Kartoffelschnaps und Bockwurst zwischen Gartenzwergen' aushält.

Zum Ausklang des Albums 'Wartesaal' wählt Bosse ruhige Töne. In 'Yipi' rettet er eine zerbrechende Beziehung mit einer ganz besonderen Therapie: Du singst: 'Yipi, ya, yeah!' - Ich sing: 'Yipi, ya, yeah!' Im Hintergrund klingt es dabei, als würde er mit Teelöffeln auf Tassen herumklimpern. Im allerletzten Song namens 'Nächster Sommer' verabschiedet sich Bosse dann zu Horn und Xylophon in die triste, kalte Jahreszeit, um erst hervorzukommen, wenn es wieder warm genug ist. Dabei klingt er ein bisschen nach einem kleinen Jungen, der seiner Ferienliebe erklärt, dass er erst in den nächsten Sommerferien zurückkehren kann: 'Der Somme geht um und der Herbst tut nur weh. Die Blumenveranda stirbt und der Schnee weht in Kapuzen und die Finger gefrieren. So wie die Hitze verschwinden auch wir in unsere einfach verglasten Zimmer und die Stadt wird Alaska und versinkt im Schnee.' Der Sommer, der auf 'Taxi' ausdrücklich 'noch lang' war, ist nun also vorbei. Dass sich Bosse verkriecht, wenn es kälter wird, ist verständlich. Er ist eben eher der Typ für die luftig-leichten, warmen, heiteren Sonnenstunden in lockerer Gesprächsrunde.

Neben ihm am Stehtisch zu lehnen und sich seine Geschichten anzuhören, kann man auf seinem vierten Album sehr lange aushalten. Und wenn Du mal eine kurze Pause brauchst, sagst Du einfach: 'Ey, Bosse. Ich muss mal kurz aufs Klo - bin ich fünf Minuten wieder da. Dann kannste weiter erzählen.'


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