Vier Jahre Pause sind eine ganze Menge. Im Falle Within Temptation hat diese Pause aber absolute Berechtigung. Zu viel und zu schnell hat die Band durch den kommerziellen Erfolg die Überholspur gesucht. Man mag zu den letzten Releases der Band stehen wie man will, aber sie waren doch mit sehr viel Popappeal ausgestattet, dazu mit mächtig viel Aufwand promotet und von einer Produktion dominiert, die ziemlich einen auf dicke Hose gemacht hat. Manchen mag der Wechsel von einer esoterisch versponnenen Gothic-Metal-Combo mit klassischem Elfengesang/Orkgegrunze-Sound hin zu einer Evanescence-Kopie bereits gestört haben. Nun, die vier Jahre, die seitdem ins Land gegangen sind, haben Within Temptation für einen erneuten kompletten Richtungswechsel genutzt. Dieser allerdings hat der Band unfassbar gut getan. Bereits am Cover kann man erkennen, dass das Konzept der Band anno 2011 ein gänzlich Anderes ist. In einer Comic-Version werden hier Atmosphäre und Stories der alten Film Noir beschworen, Geschichten von Melancholie, Aggression, Wut, Liebe und den 'Femme Fatale' dieser Welt. Passend dazu veröffentlich die Band eine Reihe von Comics(!) und Filmen(!!) die die Geschichte rund um das Album illustrieren, ähnlich wie es rund um Stephen King und der 'Dark Tower'-Saga dutzende Gimmicks verschiedenster Stilrichtungen gab, um die Story an sich zu erhellen. Das ist neu, das ist innovativ, das ist genial und noch dazu brillant umgesetzt. Musikalisch hat die Band ebenfalls beschlossen, andere Wege zu gehen. Natürlich dominiert immer noch Sharon Den Adel mit ihrer fantastischen Stimme. Diese ist allerdings nicht mehr triefend und kitschig sondern klar, geradlinig, druckvoll und erinnert an eine Mischung der klassischen Rock-Röhren von Bonnie Tyler über Lee Aaron bis Kim Wilde. Ohnehin strömt der Geist der 80er bis in die kleinsten Winkel dieses Albums. Nicht nur Sharons Gesang, sondern auch die Musik orientiert sich an den Größen des 80er-Jahre-Metals. Insbesondere die NWOBHM und Iron Maiden scheinen es Within Temptation angetan zu haben. Lediglich 'Where Is The Edge' schlägt einen Bogen zu den älteren Stücken der Band. Neu ist zum Beispiel die ziemlich angezogene Geschwindigkeit einiger Songs wie zum Beispiel das unglaublich mitreißende 'In The Middle of The Night' oder 'Faster'. Mehr klassischer Heavy Metal geht kaum! Selbst die Ballade 'Lost' fällt nicht ab, sondern passt sich dem Gesamtbild des Albums an. 'The Unforgiving' ist eine Scheibe, die in dieser Form im Jahre 1985 wohl wochenlang an den Chartspitzen gestanden hätte. Wollen wir hoffen, dass das Publikum 2011 diese Scheibe genauso liebt. Im Gegensatz zu den letzten Schnellschüssen der Band hätte 'The Unforgiving' diesen Erfolg nämlich auch aus Qualitätsgründen mehr als verdient!