Die Karriere von Brian Setzer ist so lang, dass er sich in allem, was seine Kreativität über die Jahre jemals gebar, ausprobiert haben dürfte. Die Stray Cats und das Brian Setzer Orchestra sind da nur die namhaftesten Stationen, mit denen er sich als Sänger und begnadeter Gitarrist in die oberste Musikerliga spielte. Ein Instrumentalalbum schien in Setzers langen Diskografie einzig noch zu fehlen und jetzt, wo es da ist, nur folgerichtig und irgendwie auch überfällig gewesen zu sein. Tatsächlich aber entstand es eher zufällig, nachdem die Songs inklusive Texte bereits geschrieben haben. Was da im Studio passiert sein muss, suggeriert der Albumtitel: 'Setzer goes Instru-MENATL!' In seinen Kompositionen, die hier mit ein paar Coversongs ergänzt werden, gibt sich Setzer nach wie vor nicht allzu 'mental', sondern bleibt sich mit klassischem, hier und da ein wenig angeswingtem 50er-Jahre-Rock'n'Roll treu. Mitunter sogar recht chillig und fast brav, wie bei 'Be-Bop-A-Lula'. Der Wahnsinn liegt aber im Detail, dafür sorgt Setzers Leadgitarre. Und dass des Wahnsinns Zwilling das Genie ist, beweisen Stücke wie 'Far Noir East' oder 'Hillbilly Jazz Meltdown'. Ein Stück weit mag Setzer beim Einspielen des Albums irre geworden sein, nicht drauflos zu singen, wo doch jedes einzelne Stück einen Sänger geradezu herausfordernd anspringt. Und doch wieder sehr gut ohne funktioniert. Setzer verschafft anscheinend mühelos jedem instrumentalen Song eine ganz individuelle Ausdruckskraft und leistet dabei eine Frickelarbeit, dass man niederknien möchte. Mit einer guten, aber zurückhaltenden Backing-Band bedient der Gitarrist mit seiner Gretsch alles vom Jazz über Blues bis zum astreinen Rock ('Go-Go Godzilla'). Da bekommt man etwa bei 'Cherokee' oder 'Earl's Breakdown' (das Banjo!) schon den Eindruck, dass der Mann beim Spiel schier ausgerastet ist. Und gleichzeitig doch ganz cool bleibt. Beruhigend sei hinzugefügt, dass sich Setzer als Sänger keineswegs selbst abgeschafft hat. Er hat nur einmal mehr gezeigt, dass er's sowohl in der Kehle als auch in den Fingern hat – Fähigkeiten und Herzblut nämlich, bei denen nicht nur Rockabillys das Herz aufgeht.