Es ist ja nun schon eine Weile her, dass Amorphis von ihrem reinen Psychedelic-Rock–Trip runter sind. Mit dem nun nicht mehr ganz neuen Sänger haben die Grunts wieder Einzug gehalten, die Songs wurden wieder härter – auch wenn man in puncto Härte auf 'Skyforger' wieder ein kleines Päuschen einlegte – kurzum: Amorphis haben sich auf ihre Wurzeln besonnen, die nun einmal in den legendären Alben 'Tales From A Thousand Lakes' und 'Elegy' beheimatet sind. Trotz der vielen neuen Alben wie dem bombastischen 'Skyforger' oder dem ziemlich vetrackten 'Silent Waters' haben Amorphis es aber nie geschafft, diese alte Alben in puncto Kult und Genialität wieder zu erreichen. Zu groß die Hypothek der grandiosen Melodien und der mitreißenden Songs? Vielleicht. Die Growls hatten zwar annähernd dasselbe Niveau, aber es fehlten diese Melodien, die wie in Stein gemeißelt stehen und auch den hundertsten Hörversuch ohne Abnutzung überdauern. Stücke wie 'Black Winter Day' oder 'My Kantele' sind auch beim tausendsten Mal hören noch genial – Stücke wie 'Towards And Against' oder 'Silver Bride' eben nicht. Nett, ja. Gut, sicherlich - aber mehr nicht. Mit einem Blick auf das Cover von 'The Beginning Of Times' fragt man sich zunächst, ob Ostern wirklich schon vorbei ist. Den Spruch mit dem Ei und der Henne und dem was zuerst da war schenken wir uns... nicht. Mit diesem zwar irgendwie zum Titel passenden, aber reichlich blöden Cover haben sich Amorphis sicherlich keinen Gefallen getan. Dafür lässt einen die Musik mit offenem Mund zurück. Ja, Amorphis haben sie wiedergefunden, diese Melodien, die für die Ewigkeit sind. Vielleicht waren sie immer irgendwo, gut versteckt. Aber jetzt sind sie wieder offensichtlich, allgegenwärtig, intensiv, bombastisch und zum Sterben schön. Man höre sich 'Battle For Light' und 'Beginning Of Time' an und fange an zu schmachten. Mehr Kitsch in schönster Form geht nicht, diese Melodien jagen einem Schauer den Rücken herunter. Die typischen Amorphis-Gitarren, die so treibend und dennoch extrem gefühlsbetont sind, machen einen Großteil des Albums aus. Natürlich gibt es den einen oder anderen kleineren Durchhänger (das etwas belanglose 'Crack In A Stone') - aber neben den bereits genannten beiden Stücken gibt es weitere Highlights, die zwar nicht ganz so überstrahlend sind. Aber auch 'You I Need', das mit einer großartigen Gesangsleistung auftrumpfenden 'Mermaid', 'My Enemy' mit knackigem Powermetal und 'Soothsayer' (noch ein Highlight der Marke 'Drowned Maid') haben dieses Amorphis-Feeling der ganz großen Zeiten. Selbst für eine gehörige Dosis Pop bei einem Song wie 'Escape' ist sich die Band nicht zu schade. Jeder Song klingt anders, die Band strotzt nur so vor Ideen. Nicht, dass Amorphis jetzt Dinge anders machen würden als auf den letzten Alben. Sie machen sie bloß... besser! Ein absolutes Highlight und weit besser als die auch nicht wirklich schlechten Alben der letzten Jahre!