Die ganz und gar nicht chronologischen Re-Releases des Twisted Sister-Katalogs gehen in die nächste Runde. Konsequenterweise ist nun das Debütalbum an der Reihe. 'Under The Blade', produziert von UFO-Bassist Pete Way, wurde 1982 auf Secret Records veröffentlicht, blieb aber nicht lange geheim. Twisted Sister spielten nämlich im selben Jahr auf dem Reading Festival. Aber dazu später mehr. Der Opener 'What You Don't Know (Sure Can Hurt You)' ist 80er-Metal vom Feinsten und war das erste Statement der zu diesem Zeitpunkt noch jungen New Yorker Band. 'There's no one else quite like us', stellte Dee Snider überheblich fest. Doch hinter der großen Klappe steckten stets 100 Prozent authentischer Hardrock. 'Bad Boys (Of Rock'n'Roll)' ist die erste von vielen Spaßhymnen, die die Truppe um Gitarrist Jay Jay French in den 80ern raushauten. Daneben sind es rasante Kracher wie 'Run For Your Life', 'Tear It Loose', das titelgebende 'Under The Blade' und das AC/DC-inspirierte 'Shoot 'Em Down', die für Begeisterung sorgten und noch heute sorgen. Für ein Schmunzeln sorgt das bösartig zähe 'Destroyer'. Schließlich ist der Schlusstitel 'Day Of The Rocker' auch noch herrlichster Metalkult. Was für ein großartiges Debütalbum! Als Bonustracks gibt es die EP 'Ruff Cutts', die noch vor dem Debüt erschien und drei Songs des Albums in alternativen Versionen enthält, dazu eine frühe Version vom Klassiker-Cover 'Leader Of The Pack'. Eine geniale Live-Version von 'Shoot 'Em Down' vom eingangs erwähnten Reading Festival rundet die Tracklist ab. Den gesamten Festival-Auftritt aus dem Jahr 1982 gibt es in dieser Special Edition nun endlich auch auf DVD. Budgie, Iron Maiden und die Michael Schenker Group waren die Headliner in dem Jahr. Doch früh am Tag sorgten Twisted Sister für Furore. Sie rockten, wie es sich für Newcomer gehört, was das Zeug hält und verunstalteten zum Abschluss des Sets gemeinsam mit Motörhead den Rolling Stones-Standard 'It's Only Rock'n'Roll' auf unterhaltsamste Weise. (Was sie übrigens auch heute noch tun, zuletzt sogar auf dem Sweden Rock Festival wieder gemeinsam mit Motörhead.) Schade nur, dass das Videomaterial (zumindest in Sachen Bild) offensichtlich in keinster Weise bearbeitet, sondern nur transferiert wurde. Neben dem hässlichen weiß-auf-blauen Schriftzug im Special-Edition-Artwork ist das aber der einzige Schönheitsfehler. Auch heute noch gehören Twisted Sister zu den unterhaltsamsten und professionellsten Live-Bands. Dee Snider ist ein großartiger Frontmann. Wenn nicht schon das hervorragende und makellos remasterte Debütalbum als Kaufgrund genügt, dann sollte fraglos die Bonus-DVD die Special Edition zum Pflichtkauf machen. Zumal der Spaß offenbar zu einem unschlagbaren Preis verkauft wird.