Eine Rockband verwendet in der Regel klassische Instrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug, die sich im 4/4-Takt bewegen und vom Gesang begleitet werden, der mit diesen interagiert und damit das Strophe-Refrain-Schema bildet. Dass Battles wider das Bild der typischen Rockband musizieren, bewies die Band mit ihrem Debütalbum 'Mirrored', in dem sie sich auf die Schule der dekonstruktiven Rockmusik bezog und neben vielen Effekten, getappten Gitarrensaiten und Breakbeats zu einer Zeit eine Platte veröffentlichten, in der Don Caballero als eine Kopie ihrer Selbst agierten und Mathrock zu einem Selbstläufer geworden war. Bei all dem Brechen mit musikalischen Rockklischees durfte der Gesang nicht dem typischen Muster folgen, sondern wurde durch Tyondai Braxton mit gepitchter und verzerrter Stimme wiedergegeben, der damit den abgefahrenen Sound von Battles mit komischen Geräuschen oder einem einfachen Summen begleitete. Während der Aufnahme des zweiten Albums stieg jedoch Braxton aus der Band und nachdem die restlichen Mitglieder beschlossen hatten zu dritt weiterzumachen, mussten die Songs, die sich wie ein Mosaik aus kleinen Teilen zusammensetzen, umgeschrieben werden, denn das raumfüllende Instrument (wie Braxtons Stimme von der Band gesehen wurde) ist weggefallen. Wie bei einer typischen Instrumentalband werden die Löcher nun durch Spielereien ersetzt, was den Sound von Battles noch verrückter und wärmer erscheinen lässt und entgegen der Kälte wirkt, die vom Vorgänger durch das mechanische Abarbeiten der Riffs zustande kam. Durch die Spielerein tauchen Riffs und elektronische Geräusche nicht mehr im fokussierten Schema auf, sondern reihen sich an- und übereinander, bilden eine Soundcollage, fallen in sich zusammen und starten von neuem ihren kaleidoskopartigen Angriff, der melodiös im Ohr hängen bleibt und sich teilweise zum Tanzen eignet, da sich Battles nun offiziell zu elektronischen Beats bekennen und diese neben dem Schlagzeug einbauen. Hinzu kommt die Verwendung von exotischen Klängen, die aus Elementen bestehen, wie sie von Tropical- oder psychedelischen Rockbands genutzt werden. Damit klingen manche Riffs schillernd und geben den Songs ein karibisches Flair. Wird dann doch in den Stücken gesungen, wird dies durch den Auftritt eines Gastgesangs realisiert und die Stimme im klassischen Sinne verwendet. So gab es mit der Veröffentlichung der Single 'Ice Cream' (gesungen von Matias Aguayo) bereits vor der Veröffentlichung einen Vorgeschmack auf das neue Album und findet mit dem Gesang von Synthiepoplegende Garry Numan ('My Machines') den bekanntesten Gastauftritt. Den Höhepunkt stellt der Song 'Sweetie & Shag' dar, der von Kazu Makino (Blonde Redhead) gesungen wird und das neue Album in wenigen Minuten zusammenfasst, da die Band mit 'normalem' Gesang und tropischen Klängen, die dennoch alles andere als geradlinig sind, poppig, verspielt und gleichzeitig verträumt auftritt. Damit haben Battles durch die zufällige Änderung einer Rahmenbedingung sich selbst übertroffen und 'Gloss Drop' kann als heißer Kandidat für den Titel 'Album des Jahres 2011' gehandelt werden.