In den vergangenen Jahren waren Black Stone Cherry lange Zeit entweder mit Motörhead oder mit Nickelback auf Tour. Ihr drittes Album mit dem epischen Titel 'Between The Devil And The Deep Blue Sea' klingt aber eher nach den Labelkollegen um Chad Kroeger als nach Motörhead. Das wird nicht allen Fans gefallen, ist aber zumindest dann der richtige Weg, wenn es in der Kasse klingeln soll. Die erste Singleauskopplung 'White Trash Millionaire' kann man daher auch als richtungsweisend bezeichnen. Das bluesige Intro ist vorbei, bevor es richtig begonnen hat, dann kommen die Powerriffs, genialerweise ergänzt durch Talkbox-Effekte, die sich durch den ganzen Song ziehen. Keine Frage, mit den wuchtigen Riffs, dem eingängigen Refrain und dem massiven Soundgerüst, das wir von Black Stone Cherry gewohnt sind, knallt die Single ganz schön. Die Jungs aus Kentucky haben eben Cojones. Doch es hatte sich auf dem Zweitwerk schon angekündigt: Black Stone Cherry rasen unaufhaltsam in Richtung des amerkanischen Mainstream-Power-Rocks. Songs wie 'In My Blood', 'Such A Shame' oder 'Stay' sind äußerst melodisch und wirklich richtig gut. Aber machen wir uns nichts vor, die Nummern hätten ebenso gut von Saliva, Hinder, Theory Of A Deadman oder eben Nickelback stammen können. Auch den modernen Feuerzeugschwinger haben Black Stone Cherry drauf. 'Won't Let Go' ist so perfekt produziert, dass es auch von Daughtry stammen könnte. Und das ist auch nicht unbedingt eine Überraschung, denn diesmal zeichnete Topproduzent Howard Benson für die Produktion verantwortlich, der schon bei Theory Of A Deadman, Three Days Grace und Daughtry die Ecken und Kanten glattschliff. Aufgenommen wurde fernab der Heimat - in Los Angeles. Ein wirklich herrliche Nummer auf dem neuen Album ist 'Blame It On The Boom Boom'. Der spaßige Party-Rocker kommt allerdings auch nicht umhin, an Chad Kroeger und Co. zu erinnern. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Nickelback ist eine hervorragende Band, wenn man auf kommerziellen US-Rock abfährt. Es verwundert nur, dass die vier Southern-Heavy-Rocker, denen man anfangs sogar Einflüsse von Black Sabbath anhörte, mitterweile diesen Weg einschlagen. Aber hoppla: Black Stone Cherry haben dem Southern Rock noch lange nicht den Rücken zugekehrt. Mit 'Can't You See' ist sogar ein namhaftes Cover dabei. Das melancholische Original von 1975 stammt von der Marshall Tucker Band und berührte mit Lagerfeuer-Flair. Die Cover-Version ist zunächst nicht als solche erkennbar, da der Black Stone Cherry-Sound so dominant ist. Zu dominant hier, denn die authentische Atmosphäre des alten Klassikers geht im zähen Riffing verloren. Was bei 'Can't You See' misslang, funktioniert dafür bei der großartigen Eigenkomposition 'All I'm Dreamin' Of' umso besser. Die sympathische Southern-Ballade begeistert mit berührendem Refrain und Banjoklängen. Die dezente orchestrale Begleitung ist der überdimensionierten Produktion geschuldet, passt aber wunderbar. Sie rundet ein Album mit viel Hitpotential ab, das Black Stone Cherry als hervorragende Songwriter zeigt und ihnen wahrscheinlich eine neue Fangemeinde erschließen wird. Viele Fans der ersten Stunde werden hingegen enttäuscht sein, dass die Zeiten von kantigen Krachern wie 'Lonely Train' oder 'Backwoods Gold' vorbei sind.