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Boris -  Attention Please/Heavy Rocks     Artist:  Boris
    Album:  Attention Please/Heavy Rocks
    Label:  Sargent House
    Release:  17.06.2011
   Medium:  Album
    Genre:  Post-Rock Diesen Artikel ausdrucken 
    Autor:  Lyord Artikel per Mail versenden 
 

Die japanische Band meldet sich mit der gleichzeitigen Veröffentlichung von zwei Alben zurück. Benannt nach dem Melvins Song vom 'Bullhead'-Album zählen sie zu den Urgesteinen der heutigen Droneszene, wobei Boris ihre Alben so unterschiedlich gestalten wie der Facettenreichtum, welchen Melvins in ihrer bisherigen Discographie hervorgebracht haben. Kein Album kann in ein Genre eingeordnet werden, da sie von Drone Doom über Metal, Pop, Ambient bis hin zum Stoner Rock reichen und einen Sound beinhalten, der von Gitarrenverstärkern getragen wird. Der Band aus Tokio geht es darum so viele unterschiedliche Amps und Effektgeräte wie möglich in ihre Alben einzubauen, um mit jedem Song eine andere Klangfarbe zu erzielen, wobei sich die Mitglieder als 'Otakus' (ein Begriff aus dem Japanischen für das Sammeln von Mangas/Animes - hier als Nerd bekannt) bezeichnen. Filmotakus ist die Band spätestens seit Jim Jarmuschs kulturkritischem Film 'The Limits of Control' ein Begriff, da sie den Soundtrack zusammenstellte und neben Earth, Sunn O))) und Jarmuschs Projekt Bad Rabbit eigene Songs beisteuerten.

'Attention Please'
Mit dem siebten Studioalbum gehen Boris poppige Wege, was an der Nutzung des Gesangs auffällt. Hat bisher Gitarrist und Bassist Takeshi die Leadvocals gesungen, so übernimmt auf dem neuen Album Hintergrundsängerin Wata die Hauptrolle und kommt mit ihrer Stimme, die schillernd erscheint und kurz vor dem Flüsterton steht, in die Nähe des Dreamrocks, was bereits beim ersten Song des Albums deutlich wird. Im darauffolgenden Song 'Hope', der wegen seiner melodischen Art zu den interessantesten Stücken des Albums gezählt werden kann, wird das Tempo erhöht und Streicher werden eingesetzt, die die Hauptrolle der Gitarren ablösen, die im Hintergrund verschwinden. Damit begeht die Band in ihrem Sound, der bisher von Gitarren dominiert wurde, einen weiteren Bruch. Nach dem mehrmaligen Wechsel von Strophe und Refrain kommen die Gitarren wieder, fallen mit einem Metalriff ein und passen sich dem Sound an, der auf einen Höhepunkt zu steuert.

Mit jedem Song wird deutlicher, dass Pop das Sujet des Albums ist und die Band dieses mit ihrer vielschichtigen musikalischen Art begleitet. So auch im Song 'Les Paul Custom '86', in dessen Refrain Gitarrensaiten angespielt und gehalten werden, so dass sich ein brummender Teppich ausbreitet, der aber nur unterschwellig wahrgenommen wird. Mit dieser Mischung aus experimentellem Sound und poppigen Bewegungen erinnern Boris an den Bruch, den Sonic Youth nach ihrer anfänglichen disharmonischen Experimentierphase durchmachten, als sie poppige Strukturen in ihrer Musik zuließen, denen die New Yorker Band bis heute treu geblieben ist. Ob Boris ebenfalls diesen Weg gehen, wird sich beim nächsten Album zeigen. Doch sollte im Hinterkopf behalten werden, dass die Band selbst vor Konzepten nicht zurückschreckt, weswegen ein Phasenkonzept zu ihr passen würde. Der Hörer kann davon nur profitieren, denn 'Attention Please' ist eins der klangvollsten Alben, die Boris bisher veröffentlicht haben.

Bewertung: 1

'Heavy Rocks'
In Anlehnung an ihr viertes Album 'Heavy Rocks' (2002) veröffentlichen Boris unter demselben Namen und demselben Coverartwork, das sich nur in der Farbgebung unterscheidet, ein Album, das nach eigenen Angaben ein Ventil für die Anhäufung an musikalischer 'Heavyness' der letzten zehn Jahre ist. In der Tat beinhalten die Songs neben der bekannten musikalischen Wechselseitigkeit, mit der sich jedes Stück unterscheidet, eine Art Härte im Sound. So beginnt 'Riot Sugar' mit einem klassischen Riff, das von Eyehategod und anderen frühen Vertretern des Sludgemetals stammen könnte. Natürlich bleiben Boris ihrem Stil treu und variieren die Musik mit jedem weiteren Song. So kommen neben typischen Schweinerockriffs im klassischen Sinne, wie bei 'GALAXIANS' und solchen im Cruststil, wie bei 'Window Shoppin', auch einige Hardrockballaden vor, die sich in die Länge ziehen und fast schon einen progressiven Charakter erhalten.

Mit dem Song 'Aileron' gibt es eine Brückenschlag zu dem Album 'Attention Please', das auch den Song beinhaltete. Anstatt eines einfachen Instrumentalsongs wird hier der Gesang von Takeshi übernommen, der in seinen Rockballaden immer wieder dick aufträgt und damit zum Kitsch tendiert. Darum fällt 'Heavy Rocks' eher typisch für die Band aus und verliert im Vergleich mit 'Attention Please' den Wettstreit der beiden Alben.

Bewertung: 3


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