'Blanck Mass' ist ein einziges Intro. Das Debütalbum des gleichnamigen Ambient-Projekts des Londoners Benjamin John Power versammelt auf 60 Minuten die Klänge, mit denen andere Bands ihr Album eröffnen würden. Diese Intros, die auf anderen Alben meistens viel zu schnell vorbei sind, damit sie den regulären Songs nicht die Schau stehlen, dürfen sich bei Blanck Mass unbegrenzt entfalten - und tun das auch. Dabei hat er die Unterstützung von Mogwai, auf deren Label 'Rock Action' er veröffentlicht. Herausgekommen ist ein faszinierendes Album voller Klangexperimente. Die zehn einzelnen Titel auf dem Album sind keine Songs im eigentlichen Sinne, weil ihnen die Konturen fehlen. Sie folgen keinem konventionellen Aufbau und haben meistens nicht einmal einen wahrnehmbaren Rhythmus. Höchstens in Ansätzen geben der Bass ('Raw Deal') oder klopfende Synthesizer-Töne ('What You Know') mal einen Orientierungspunkt. Der verschwommene Ozean der Klangeindrücke besteht zum Großteil aus synthetischen Tönen, in denen sich keine Instrumente abzeichnen. Stattdessen treten immer wieder Geräusche zu Tage: die Rufe von Krähen ('Icke's Struggle') und Möwen ('Weakling Flier') oder tropfendes Wasser ('Sifted Gold'). Die Wirkung, die die Stücke entfalten, reicht von Düsternis ('Sub Serious') bishin zu Erhabenheit ('Sundowner'). Der Eindruck, den die Musik vermittelt, ist ungewöhnlich, weil Blanck Mass sie verfremdet. Mal klingt sie wie durch einen Filter zurück gehalten ('Chernobyl'), mal wie rückwärts abgespielt ('Fuckers') und mal ist sie durchgehend von einer Art Störgeräusch unterlegt ('Land Disasters'). Und wenn man dieses Album in Form eines riesigen Intros hört, dann braucht man den Rest des Albums, der normalerweise auf das Intro folgen würde, gar nicht mehr. Denn die regulären Songs würden hinter der Ausdrucksstärke und Unkonventionalität des Intros zurückbleiben. Blanck Mass hat diesen Rest und damit die meisten Song-Konventionen einfach weggelassen - und damit ein beeindruckendes Debütalbum aufgenommen.