Manch ungefährliches Tiere sieht einem gefährlichen Tier zum Verwechseln ähnlich. Indem es einfach das Aussehen des gefährlichen Tieres nachahmt, verschafft es sich Respekt. So macht es zum Beispiel die Hainschwebfliege: Mit ihrem gelb-schwarz geringelten Körper sieht sie aus aus wie eine Wespe. Und dabei hat sie eigentlich gar keinen Stachel. Und so macht es auch die Band Betontod: Mit ihrem kompromisslos brutalen Namen wirken sie wie eine Punkband. Dabei haben sie eigentlich auch gar keinen Stachel. Genauer betrachtet sind Betontod nämlich genauso viel Punkband wie Die Toten Hosen. Überhaupt verbinden diese beiden Bands einige Gemeinsamkeiten, die sich ganz deutlich auf dem fünften Album von Betontod namens 'Antirockstars' abzeichnen. Obwohl Betontod noch fast zehn Jahre jünger sind als Die Toten Hosen, stehen sie doch auch immerhin schon 20 Jahre lang auf der Bühne. In den Anfängen von Betontod hat sich ihr Weg sogar einmal entscheidend mit dem der Hosen gekreuzt - als nämlich Wölli, der ehemalige Schlagzeuger der Hosen, seine Begeisterung für Betontod entdeckte und sie auf seinem eigenen Festival als Headliner auftreten ließ. Auf ihre 20-jährige Geschichte blicken Betontod - mal knüppelnd laut, mal sogar leicht sentimental - in den letzten drei Stücken des Albums zurück - mit dem Fazit: 'Wir werden nie vergessen, woher wir kommen. Alles, was wir wollten, haben wir schon längst erreicht.' ('Nie Vergessen') Genauso wie Die Toten Hosen äußern sich Betontod politisch, obwohl sie ausdrücklich keine Politrockband sein wollen. So warnen sie vor mangelndem politischen Interesse: 'Eigentlich wollen wir gar nicht wissen, welche Mächte uns dann lenken - eigentlich wollen wir ja lieber ans Geld und an den Urlaub denken.' ('Blut'), vor extremen Standpunkten: 'Jeder Extremismus geht uns echt auf den Sack. Denn mit denen, die meinen, sie wüssten wohin, hat all das Diskutieren doch eh keinen Sinn.' ('20 Jahre') und vor kriegerischer Unersättlichkeit: 'Weiße Fahnen wehen stumm und das Feuer bringt sie um.' ('Wenn Der Sturm Beginnt') Soweit man beim Gesang von Sänger Meister, der noch eine Spur gegrölter ist als der von Campino, davon sprechen kann, klingt 'Wenn Der Sturm Beginnt' wirklich gefühlvoll. Dazu trägt auch der angenehm unplakative Text seinen Teil bei. Das Stück 'Nebel', ein Duett mit einer rauchigen Frauenstimme, erzählt davon, wie der graue Alltag nach und nach die Träume eines Paares verdeckt und die beiden auseinander treibt: 'Konnten wir es spüren, konnten wir es sehen? Es war die gleiche Richtung und doch blieben wir stehen. Wir wollten es doch spüren, wollten alles dafür geben - bis ans Ende unserer Tage, ans Ende unserer Leben.' Damit kommt 'Nebel' dem 'Froschkönig' von Die Toten Hosen ziemlich nahe. Die Selbstbeweihräucherung, die Die Toten Hosen jüngst mit 'Strom' betrieben haben, findet sich bei Betontod gleich in zwei Titeln ('Gloria', 'Keine Popsongs!'). In 'Auf Eine Gute Zeit' lassen Betontod die Freundschaft hochleben, der Die Toten Hosen 2004 die Hymne 'Freunde' gewidmet haben. 'Steh Auf!' heißt der aufbauende Song zum Mitgrölen bei Betontod, dessen Ähnlichkeit zu 'Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist' von Die Toten Hosen nicht zu übersehen ist. Mit einem zackigen Rhythmuswechsel gestalten Betontod dieses Thema allerdings wesentlich interessanter als Die Toten Hosen mit ihrer schleppenden Auslegung. Nicht zu vergessen ist natürlich der Ballermann-Hit 'Zehn Kleine Jägermeister' der Hosen. Auch dazu bieten Betontod ein Pendant. In den Schützenfestzelten und Skihütten wären sie mit ihrem Song 'König Alkohol' problemlos konkurrenzfähig. Gleich der Auftakt des Gesangs erinnert an Wolfgang Petry. Und die Melodie des Refrains verweist unmissverständlich auf den Party-Hit 'Ja, wir haben ein Idol: Harald Juhnke'. Sobald das Album 'Antirockstars' läuft, enthüllen Betontod ihren Hang zum Deutschrock. Jede Vermutung, es könne sich um eine Punkband handeln, verliert sofort den Boden unter den Füßen - und zwar so offensichtlich, dass klar wird: Die Band hat bestimmt nicht beabsichtigt, sich mit ihrem Namen als Punkband zu tarnen - das war wohl eher ein Versehen.