Wild und rau geht's zu, wenn Anaal Nathrakh sich ein wenig Auslauf gönnen. Und wenn sie laufen, dann sprinten sie eher: Schnell, aufreibend und mitreißend gibt sich "Passion" und ist nach 36 Minuten am Ziel angekommen - aber in was für 36 Minuten! Anaal Nathrakh sind grauselig, trübsinnig, schwermütig, eklig und abgefahren - manchmal auch kitschig: Die elektronisch übersteigerten und entfremdeten Stimmen machen echt was her, wirken gerne nach schlechtem SciFi und heben mit dem Kontrast zu cleanen Gesangsparts das Klangchaos noch eine Stufe weiter nach oben. Was wie ein schneller Sprint wirken könnte, ist jedoch doch um einiges verzwickter und lässt erkennen, dass diese Band nicht erst seit gestern an ihrem Stil arbeitet. Die Sounds sind sehr extrem, selten hört man die typischen Black-Metal-Spieltechniken heraus, alles ist irgendwie anders und fremd. Und genau davon leben Anaal Nathrakh! Die einzelnen Songs auf "Passion" sind allerdings für sich genommen bei Weitem nicht so beeindruckend und atmosphärisch, wie das Album am Stück. Wenn, dann sollte man sich also die Zeit nehmen und sich einfach mal mit Anaal Nathrakh in den Weltuntergang stürzen. Und nach ein paar Mal hören - besonders an diesen Warum-ist-die-Stadt-immer-voll-wenn-ich-was-zu-erledigen-habe-Tagen - lernt man doch einige Songs im Speziellen schätzen. Beispielsweise "Le Diabolique Est L'ami Du Simple", das verstörende, kranke "Tod huetet Uebel" und das darauf folgende "Paragon Pariah". Ersteres bündelt die Effektdichte und -tiefe im Gitarrensound der Band in sich, was einfach nur beeindruckend klingt. "Tod huetet Uebel" ist da ein ganz anderes Kaliber. Es ist beeindruckend verrückt, morbide und, wie das nunmal so Hand in Hand geht, absolut spannend. Der klare Gesang im Refrain von "Paragon Pariah" zeigt dann auf einmal, wie wunderbar dieser in hartem Metal sein kann, ohne dass es gleich nach amerikanischem Metalcore klingen muss. Und schon nach dem ersten Hören hatte ich hier meinen Ohrwurm weg. Am Ende des Läufchens bleibt einem der Schweiß, denn trotz der synthetisch wirkenden Trommeln ist "Passion" mitreißend und dicht an Atmosphäre. Heftiges Geknüppel mit wundervoll kranken, befremdliche Grusel-SciFi-Einlagen. Gerne weiter so!