Mit 61 Jahren sein erstes Soloalbum zu veröffentlichen ist schon ein gewagtes Unterfangen. Noch dazu wenn man Wolfgang 'Wölli' Rohde heißt, und von 1986-1999 riesige Erfolge mit den Toten Hosen gefeiert hat. Was da noch kommen soll? Kann ja nix Gescheites werden, allenfalls ein warmer Aufguß. Ein alternder Musiker der mit Unterstützung seiner Kumpel nochmal zu medienwirksamer Aufmerksamkeit kommt. So schiebt man mit einem leichten Zahnarztgefühl die Platte in den CD-Player und denkt sich: Oh! Und mit dem nächsten Song 'Ich fühl' mich wunderbar' ist man endgültig vor den Kopf geschlagen. Einen Punkrockkracher allererster Sahne schmettert Wölli mit einer vom Rauch ummantelten Stimme entgegen, dass Alt-Kanzler Schmidt direkt neidisch werden würde, auf so viel Nikotin im Gehörgang. Auf 'Alles nochmal von vorn', der ersten Single-Auskopplung, geht Wölli gegen Campino ziemlich unter, was aber auch irgendwie egal ist. Der Song könnte genauso gut von den Toten Hosen selbst stammen. Für jeden Hosenfan ist der Song sowieso der Kaktus in der Wüste, um lechzend die Zeit bis zum nächsten Hosen-Album zu überbrücken. Alles in allem ist das Album ungeahnt abwechslungsreich. Während 'Nicht zu besiegen' nach Johnny Cash klingt, und einem Schauer der Berührung über den Rücken jagt, erinnert 'Blick nach vorn' mit den dominierenden Gitarrenriffs an die Heroes del Silencio. Wölli hat ihn. Bela B. hat ihn. Und Flo Weber auch. Diesen ganz eigenen Humor, der sich niederschlägt in Songs wie 'Goldenes Handwerk' oder hier in 'Der Mann hinter dem Schlagzeug'. Und wenn schon die Schlagzeuger erwähnt werden darf man einen natürlich nicht vergessen – Vom. Wölli's Nachfolger wurde die Ehre zu Teil selbst ein Duett mit Wölli zu singen ('Two Drunken Drummers') und das auf Deutsch, was dem Ganzen noch einen besonderen Kick verleiht. Den einzigen wirklichen Vorwurf den man Wölli mit 'Das ist noch nicht alles' machen kann ist dass die Texte sehr selbstreferentiell sind. Aber wenn man das mit 61 nicht machen kann, kann man es vermutlich nie. Und einen so hohen positiven Überraschungseffekt hätte ich diesem Album nicht zugetraut.