Wie das wohl sein mag, wenn man als ein in Herzenssachen längst desillusionierter Mann, also gewissermaßen als 'kaputter Typ', an einem Abend an der Theke hängt und dann dort ein ausgerechnet weibliches Wesen trifft, das genau so kaputt ist wie man selbst? Shaun Mulrooney weiß da ganz genau bescheid. Man redet intensiv miteinander, der Absinth rinnt kontinuierlich die Kehlen hinunter. Die Stunden vergehen. Man versteht sich immer besser, die Stimmung steigt und die Köpfe sitzen wieder etwas strammer auf dem Hals. Schließlich tanzt man miteinander, vorausgesetzt, man hat es mit dem Absinth nicht übertrieben - was gar nicht mal so leicht zu vermeiden ist. Vergessen ist der Herzschmerz, wie weggewischt die Tristesse. Diese Vorgänge werden auf Admiral Blacks Album 'Phantasmagoric' unter dem Titel 'How I Could Turn You Down' künstlerisch verarbeitet. Hinter Admiral Black verbirgt sich das Solo-Projekt des aus Dublin stammenden Shaun Mulrooney, seines Zeichens Sänger der Band Humanzi. Groß geschrieben wird auf dem metallischen 'Phantasmagoric' einerseits die grunge-typische klangliche Ungepflegtheit, andererseits aber auch die Liebe zum präzisen Beschreiben. Von vielen Seiten als psychedelisch klassifiziert, macht das Album ebenfalls durch den Gebrauch von rasselnden Gitarren und blueslastigen Parts, die sich bis zur Dissonanz schrauben, auf sich aufmerksam. Die kratzige Stimme Mulrooneys gliedert sich nahtlos ins Spektakel ein. Hat man erst einmal den irgendwie nervigen Einstiegssong namens 'Such A Nice Man' überstanden, fällt bei 'I Got Love If You Want It' aber der Vergleich mit den etwas obskureren Led Zeppelin-Stücken leichter, als man zunächst denken mochte. Im angenehmen 'Closure' wird auf dem Klavier mit nur wenig Feingefühl begleitend herumgehämmert, allerdings erweist sich der Song noch als der weichste des Albums, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass den Pianotasten am Ende doch noch mit ein bisschen Zärtlichkeit begegnet wird und so eine gefällige Melodik aufblühen kann. À propos Zärtlichkeit: Nach der gleichermaßen durchzechten wie durchtanzten Nacht vom Anfang des Albums wird Shaun Mulrooney alias Admiral Black zunehmend öfter zum hingebungsvollen Romantiker. Dieses Bild ergibt sich überwiegend aus den Texten, denn wesentliche Umbrüche ereignen sich im musikalischen Bereich nicht; verbaut werden konsequent gleiche oder sehr ähnlich gehaltene Klangfarben und -arten. Vorausgesetzt, man sieht einmal ab von den durchaus erwähnenswerten, wenn auch potentiell unanständigen Feuchtigkeitsgeräuschen in 'Shock Corridors'. Der Zenit der romantischen Leidenschaft des Admiral Black ereignet sich im Stück 'Crystallised' innerhalb von vier Versen und ist es wert, an dieser Stelle niedergeschrieben zu werden: 'A sparrow's heart beats ten times faster Than a human's, or so, they say Yet if you sync me to a timer I'd out-beat that sparrow any day.' 'Phantasmagoric' ist, abschließend geschrieben, kein ersichtlich großer oder mitreißender Wurf, verschafft seinem Konsumenten allerdings einen Mischeindruck in vielerlei Hinsicht, ohne dabei ansatzweise phantasmagorisch zu sein. Mit den teils eigenwilligen Klangarten, die sicherlich nicht bei jedem Musikgeschmack auf fruchtbaren Boden fallen werden, muss man sich daher gegebenenfalls erst anfreunden. Die ansprechende Lyrik dürfte da den ein oder anderen hilfsweise versöhnlich stimmen.