Der produktivste aller Schrate gönnt sich und dem Hörer keine Ruhepause. LPs, EPs und 45s erscheinen nahezu im Monatstakt. Allein 2011 ist der Output von Will Oldham wieder bemerkenswert: 'Island Brothers' unter dem Moniker Bonnie "Prince" Billy & The Cairo Gang, 'The Mindeater' mit der The Phantom Family Halo, dann 'There Is No God', frivoles Singalong mit der expliziten Zeile 'That which puts mouth on cock and vagina, that is the best'. Nicht vergessen sollte man die Single 'Haggard Harper Bonnie', auf der er gleich zwei großen Künstlern die Ehre erwies: Merle Haggard, Titan des County-Songwriting, und Roy Harper, britischer Folk-Exzentriker. Wie passend für einen Künstler wie Will Oldham. Nun also noch eine LP. 'Wolfroy Goes To Town' offenbart zehn karg produzierte, minimalistische Folk-Songs. Befreit von jeder Süffigkeit, erlebt der Hörer eine Reise in die Tiefen der Meditation. Der Kauz aus Kentucky stellt hier die Gitarre und seine Stimme in den Mittelpunkt, auf einigen Songs singt Angel Olsen im Duett. Sehr sanft führt Bonnie "Prince" Billy dabei durch seine Songs, die gleichermaßen Post-Country und Post-Soul sind. Lyrisch stehen Figuren im Mittelpunkt, die sich vom Zugriff der Zeit oder anderen Mächten befreit haben bzw. es zumindest versuchen. 'I'm no match for an honest life / And I'm no match for liars / I'm no match for those who have given up / When they are feeling tired', hebt Bonnie "Prince" Billy im Eröffnungsstück an und zeichnet das scharfe Profil eines Mannes, der seine Lektionen auf die harte Tour lernte. Ansonsten umkreisen Oldhams Texte die bekannten Sujets: Liebe und Sex, Tod und Wahnsinn. Einmal, im Song 'New Tibet', schwingt sich die Melodie beinahe in euphorische Höhen, ansonsten bleibt der meditative, ganz und gar unfrömmige Strom ungebrochen. Wer Kuschel-Folk sucht, ist hier naturgemäß an der falschen Adresse.