Nur etwa ein halbes Jahr nach "Sect(s)" folgt nun schon der zweite Teil der "777"-Trilogie von Blut Aus Nord. "The Desanctification" schließt daher stilistisch nahtlos an den Vorgänger an. Der erste Song "Epitome VII" fällt in diesem Zusammenhang fast schon harmonisch und zugänglich aus. Das Tempo ist schleppend, die Tonfolgen nachvollziehbar, der Rhythmus detailreich aber im wesentlichen recht klar, die Dissonanzen erkämpfen sich erst im letzten Viertel ihren Platz. Bei Titel acht, Track zwei auf diesem Album, wird wieder kräftig an den Hörnerven gezerrt und gezogen. Es braucht schon Aufmerksamkeit und unabdingbare Affinität zum Sound der Band, um auch auf der Gefühlsebene zu den atmosphärischen, unter einer dicken Kruste manchmal gar schönen Details von "The Desanctification" vorzudringen. In eben diesem Spannungsfeld, welches die ersten beiden Songs umreißen, bewegt sich "The Desanctification" - und ist damit einen kleinen Tacken zugänglicher als der Vorgänger, was im Falle Blut Aus Nord aber bedeutet, dass wir es nach wie vor mit einem Soundungetüm zu tun haben, das mit den auch im Black Metal oftmals vorherrschenden Songwriting- und Klangkonventionen herzlich wenig zu tun hat. Die Stärke der Franzosen - und das beweist auch "The Desanctification" - besteht darin, ihre extremen, gefühlskalten Soundattacken nicht ins beliebige, willkürliche Lärmen abdriften zu lassen. Es mag dissonant und stellenweise etwas chaotisch zugehen, doch lassen sich beim Zuhören auch immer sinnvolle Strukturen erkennen. Ja, das ist gewollt "intellektueller" Black Metal, der jedoch nicht unter seiner eigenen Last zerbricht und seinen komzeptionellen Anspruch auch musikalisch einzulösen versteht.