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Eisbrecher - ach herrje. Da gab es ein tolles Debütalbum, mit schrägen, elektronischen Elementen, eine sich wohltuend von Rammstein abhebende Sperrigkeit von Stücken wie "Fanatica" mit einigermaßen sinnvollen, vernünftigen Texten. Ab da ging es mir der Qualität schnurgerade in Richtung Geldverdienen. Das mag ihnen niemand übelnehmen, es ist verständlich. Aber wo eine Band wie Unheilig seit Jahren immer denselben Schmu verzapft hat und plötzlich wie die Jungfrau zum Kind zum großen Geld kam, da scheint bei Eisbrecher jede Menge Berechnung dahinterzustecken. Auch dafür gilt: Verständlich.
Aber der ziemlich seiernde Einheitsbrei auf "Die Hölle muss warten" ist nicht mehr verständlich. Nichts gegen kommerzielle Musik, nichts gegen Eingängigkeit und Radiotauglichkeit - das alles hatten Eisbrecher schon immer. Aber ein bißchen Eigenständigkeit wäre schön. Ein Stück wie der Titeltrack klingt so dermaßen unverschämt aus der erfolgreichsten Oomph!–Zeit geklaut, das nur ein fassungsloses, hämisches Lachen beim Anhören zurückbleibt. Sobald es ruhiger in den Stücken zugeht ("Atem", "Rette Mich") werden Freunde von Unheilig hier sofort zuschlagen. Die Stücke sind in jedem Ton vorhersehbar, unoriginell, stellenweise einfach nur langweilig. Im ZDF-Fernsehgarten würden Eisbrecher vermutlich nur aufgrund der billigen Lack-Und-Leder-Klamotte, die die Herren auf dem an Peinlichkeit kaum zu überbietenden Cover tagen, irgendwie auffallen.
Das Album ist sensationell gut produziert, dicke Streicher, gute Elektronik, eine herausragende Stimme, die eine oder andere fette Gitarre, da wurden keine Gefangenen gemacht. Das Album klingt supermodern, und im Gegensatz zur Konkurrenz haben Eisbrecher wirklich gute Texte, die über die dümmlich-primitiven Provokationen von Rammstein einerseits (abgesehen von "Exzess Express") und den (er)brechend-ekligen Kitsch von Unheilig andererseits weit hinausgehen. Ernsthafter sind sie geworden, lustige Texte wie "This Is Deutsch" sucht man vergebens. Das Songwriting bei einigen Stücken ("Treiben" und das tolle "Verrückt") ist auch weit über der Norm. Es ist eindeutig ein Eisbrecher-Album, hart, sanft, gut produziert, toller Gesang, gute Texte, stellenweise zum Mitgrooven, stellenweise zum Mittanzen - Eisbrecher haben mit "Die Hölle muss warten" alles richtig gemacht.
So, und wer sich jetzt wundert, was die beiden vorherigen Absätze miteinander zu tun haben - ganz einfach: Sie beschreiben beide dasselbe Album. Selten gab es ein Album, das so dermaßen perfekt auf das Wort "zwiespältig" passt. Eisbrecher werden Erfolg haben, er wird Ihnen zu gönnen sein - und auch Leute, die normalerweise anspruchsvolle Musik hören, können an Eisbrecher Freude haben.
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