Eluveitie haben sich vor einiger Zeit einmal selbst das Banner der "New Wave of Folk Metal" aufgezogen und sich damit wohl Einiges vorgenommen. Klar war schon seit den ersten Aufnahmen, dass Folk Metal für die Schweizer etwas Anderes bedeutet als für viele andere Vertreter des Genres. Beschaut man sich die (inzwischen leider meist eingestellten) Nebenprojekte der Gründungsmitglieder wird man feststellen, dass sie sich alle eher im Folk als im Metal bewegen. Und im Vergleich zu Bands wie Finntroll, Equilibrium und Co. spielen Eluveitie seit jeher auch in einer anderen Liga – gemessen an ihrem Folk. Was das angeht, erinnern sie eher an Korpiklaani - nur ohne den ständigen Dauerlächel-Charakter. Aber was bringen uns die fleißigen Schweizer um Frontmann Chriegel Glanzmann mit "Helvetios" ins Haus? Das Album wartet erst einmal mit freudigen Neuigkeiten auf: 17 Tracks, knapp eine volle Stunde Laufzeit, Prolog, Epilog, viele der Titel lesen sich spontan gälisch. Das sieht sehr nach der Epik aus, wie man sie sich von einer solchen Band nur wünschen kann! Und um das schon einmal vorweg zu nehmen, es fühlt sich auch nach der richtigen Menge und Stärke an Epik an. Die Soundentwicklung der Band setzt sich dabei gekonnt weiter fort. Seit den Umstellungen an einigen Instrumenten ist die Band merklich härter geworden, brachte aber auch das reine und geniale Akustikalbum "Evocation I - The Arcane Dominion" (2009) heraus. "Helvetios" steht allerdings nicht in dieser Tradition, sondern vertieft den Vorgänger "Everything Remains (As It Never Was)". Die Parts sind gitarrengeprägt, hart, stürmisch, aber immer wieder von den feinen Tönen von Flöte, Geige und Drehleier durchzogen. Besonders Letztere prägt einige Songs der Platte sehr stark, was dem eher folkgeneigten Hörer auch die sehr modern gespielten E-Gitarren versüßen wird. Ebenso typisch für Eluveitie sind aber einzelne, sehr gut in das Album eingeflochtene Akustiktracks wie "Scorched Earth" und "Hope". Der Aufbau und die Mischung auf "Helvetios" sind gnadenlos gut umgesetzt. Einerseits, weil es sich bei dem ganzen Album um eine geschlossene Nacherzählung der gallischen Kriege handelt (natürlich aus keltischer Sicht!), andererseits, weil die Band mit diesem Album wirklich in die Vollen greift und sich selbst noch die Krone aufsetzt. Der Soundmix war schon immer gut, aber bis dato dürfte es keine Band geben, die sich so sehr darauf versteht, alte Schlachten- und Lagerklänge mit modernem Bretter-Metal zu verbinden. Der vielstimmige Gesang an einigen Stellen ist ein absolutes Highlight. Herausragende Songs zu nennen, fällt bei "Helvetios" schwer. Die Band zieht die Register ihrer ganzen Schaffenszeit. So erinnert "Luxtos" sehr an das erste Album "Spirit", während die Akustiksongs mit ihrer Stimm-Malerei "Evocation I - The Arcane Dominion" in nichts nachstehen. Die härteren Songs bringen mehr moderne Klänge mit ins Spiel, wie man es von den letzten Alben gewohnt ist, schaffen es aber, nicht in der Versenkung zu verschwinden (man höre sich nur mal "Havoc an" - fast irische Geigen treffen gekonnt auf brachiales Metal-Geknüppel). Und wenn man einen Song für unrettbar im Metal versunken hält, wird er trotzdem wieder auf folkige Höhen gehievt ("The Siege"). Neulich fragte man sich noch, was einem musikalisch von 2011 geblieben ist und was denn wohl aus 2012 werden wird. Ein erstes Highlight ist gefunden! "Helvetios" ist in meinen Augen ein Album, an dem sich zukünftige Folk-Metal-Alben und -Künstler messen werden müssen. Und sie werden sich reiben! Großartig!