Abseits des großen Trubels der Musikindustrie treffen sich im beschaulichen, bayrischen Freising drei Größen des Progressive Rock und bilden eine Supergroup. Unter dem Namen RPWL veröffentlichen Pink Floyd, Genesis und The Doors gemeinsam neue Musik - möchte man meinen, wenn man 'Beyond Man And Time' hört. Gemeinsam scheinen sie Quartier in Freising bezogen zu haben und in der Idylle die vergangenen Klänge der 70er wieder aufleben zu lassen. Ebenfalls mit eingezogen sind allerdings Angels & Airwaves und wollen mitmischen. RPWL können sie nicht immer abschütteln, sodass einige Stücke etwas von ihrem Zauber verlieren. Die Nähe von RPWL zu Pink Floyd ist unverkennbar, weil beim Hören der Stimme von Sänger Yogi Lang sofort David Gilmour vor dem geistigen Auge erscheint. RPWL waren ja in ihren Anfangs-Tagen sogar eine Pink Floyd-Coverband. Neben dem Gesang scheint aber auch die Musik im besten Sinne 40 Jahre alt zu sein. Lang und ausufernd verteilen sich die Instrumental-Parts. Da wirkt dann auch ein E-Gitarren-Solo nicht aufgesetzt, sondern passend - und man hört, wie Gitarrist Kalle Wallner mit zusammengekniffenen Augen und aufeinander gepressten Lippen die Saiten zupft. Irgendwann kehrt dann der Gesang zurück, um die Instrumente wieder aufzufangen. The Doors kommen an Stellen wie dem Orgel-Solo in 'The Ugliest Man In The World' ins Spiel. Genesis, und zwar die der progressiven Phase um Peter Gabriel, geben sich im monumentalen, sechszehnminütigen Epos 'The Fisherman' die Ehre, das vor verquierlten, orientalisch anmutenden Melodien nur so strotzt. Getrübt wird der Gesamteindurck von den Songs 'Unchain The Earth' und 'The Road To Creation', in denen sich Angels & Airwaves in die Gruppe der progressiven Vorbilder schummeln. In diese Welt passen Angels & Airwaves nicht. Die entsprechenden Songs sind eine Spur zu geradlinig, treibend und vor allen Dingen zu spacig. Während alle anderen Stücke sich in einer mysteriösen, spannenden Schwebe befinden, katapultiert das Weltraum-Keyboard diese Songs übers Ziel hinaus. Wesentlich effektvoller ist da zum Beispiel das geisterhaft heulende und pfeifende Keyboard im Stück 'The Wise In The Desert'. Inspirieren lassen haben sich RPWL für ihr Album übrigens von Nietzsches Werk 'Also Sprach Zarathustra'. Deswegen ist 'Beyond Man And Time' ein philosophisches Konzeptalbum über die Suche nach dem eigenständigen Denken geworden. Aber man muss Nietzsches Werk nicht gelesen haben, um Gefallen an diesem Album finden zu können. Die Musik spricht für sich.