Und noch eine Band, die sich offensichtlich daran erinnert, dass sie früher mal gute Musik gemacht hat. Unleashed haben in den letzten Jahren einen Riesenhaufen langweiligen Retro-Schrott veröffentlicht, der nicht einmal irgendwie der Rede war. Langweilig, tausendmal gehört, zehrend vom Ruf der Legende, der Alteingesessenheit. Das alles hat sich auf 'Odalheim' geändert. Zunächst einmal fällt auf, dass Unleashed zum ersten Mal überhaupt eine wirklich grandiose Produktion am Start haben und dementsprechend härter, derber, metallischer und brutaler klingen als sie es je taten. Die ganze Band scheint voller Tatendrang zu stecken. Desweiteren ist dies die erste Unleashed-Scheibe, die man nicht unbedingt nach fünf Sekunden als Unleashed erkennt. Natürlich, das meiste Riffing, die Soli, das ist Unleashed, unverkennbar. Aber es sind eben Klänge und Riffs hinzugekommen, die die Gleichförmigkeit auflockern. Metallisch klirrende Gitarren, die fast nach Techno-Black-Metal im Stile von Emperor oder Mid-90's Satyricon klingen, oder das Riff von 'Fimbulvinter', das in Kombination mit seiner Blastspeed-Verpackung eindeutige Erinnerungen an Dissection weckt - nein, es ist ganz klar, dass Unleashed Verkrustungen aufgebrochen haben, Gleichmütigkeit und Langeweile über Bord des Langschiffs geworfen haben und zum ersten Mal seit der 'Across The Open Sea' wieder ein grandioses Death-Metal-Album am Start haben. Da wird gekloppt, dass es eine Freude ist, mit einem hochmodernen Sound wird die klassische Metal-Songstruktur Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo-Refrain veredelt. Melodien, die sich in den Gehörgang fressen, gibt es gleich im Dutzend. Viele Akustikgitarren lockern die Stücke auf, die sich hauptsächlich im höheren Geschwindigkeitsbereich befinden - immer noch der Bereich, in dem sich Unleashed am wohlsten fühlen. 'Vinland' jedenfalls ist einer der geilsten Unleashed-Songs überhaupt, episches Gedresche mit einem an die klassische Unleashed-Geschichte angelehnten Refrain ('Across The Open Sea... / To Vinland To Test Our Steel') und einem fast kitschigen Riff. Ein urklassisches aber modernes Death-Metal-Album voller Abwechslungsreichtum und Orginalität - es hat bis 2012 gedauert bis man das über ein Unleashed-Album sagen kann. Unleashed waren anfangs grandios, aber auch dort innerhalb eines Albums sehr gleichförmig. Zwischenzeitlich waren sie nur unerträglich langweilig. 2012 sind sie wieder ganz stark UND dazu spannend wie noch nie. Chapeau... ääähh... Helm mit Hörnern!