Das beständig hohe Niveau, auf dem sich Cannibal Corpse nun schon seit Jahren bewegen, ist beeindruckend. Einige ganz kritische Zeitgenossen bemängelten zwar, dass bis auf wenige Ausnahmen auf den Alben "Kill" und "Evisceration Plague" zuviel Highspeed-Geballer im Mittelpunkt stand - aber das war Meckern auf hohem Niveau. Bei Album Nummer zwölf sollten aber selbst diese Stimmen verstummen, denn "Torture" bietet innerhalb der von Cannibal Corpse mitdefinierten Genregrenzen variables Songwriting mit dem gewohnt hohen technischen Anspruch. Das Opener-Doppel "Demented Aggression" und "Sarcophagic Frenzy" (was für ein Titel) legt den Schwerpunkt zunächst auf Hochgeschwindigkeit und lässt im Riffing auch die alten Thrash-Metal-Einflüsse der Band durchscheinen. Doch auch hier wird das Gaspedal nicht stupide durchgetreten, sondern an den richtigen Stellen auch mal Tempo rausgenommen. "Scourge Of Iron" geht dann den umgekehrten Weg und bietet brutal schleifendes Midtempo mit gelegentlichen Ausbrüchen in flottere Bereiche. "Encased In Concrete" ist ein großartiger Corpse-Flitzer, der auch beim Hören der CD sofort an heftige Mosh- und Circlepits bei künftigen Liveshows denken lässt. Perfekt funktionieren auch die Tempovariationen beim eingängigen "As Deep As The Knife Will Go". Dieser Song steht exemplarisch für die musikalische Qualität von Cannibal Corpse, die auch "Torture" zu einem der Death-Metal-Highlights des noch jungen Jahres macht: die Riffs sind stark, der Groove, den Bassist Alex Webster und Schlagzeuger Paul Mazurkiewicz entwickeln, ist mitreißend und der Band gelingt das Miteinander von komplexen Songstrukturen, technischen Finessen an den Instrumenten und eingängigem, nachvollziehbarem Songwriting. Das, was Cannibal Corpse auf "Torture" bieten, ist viel anspruchsvoller als stumpfes Uffta-Todesblei und rutscht dennoch nie in "Seht her, was wir tolles können"-Selbstgefälligkeit ab. Die Texte sind natürlich wieder wie immer herrlich infantil-geschmacklos, wie Songtitel wie "Strangulation Chair" oder "Torn Through" deutlich machen. In musikalischer Hinsicht übertreiben es die Herren aber niemals. Cannibal Corpse spielen natürlich brutalen Death Metal, kennen aber dabei die Grenzen des Extremen sehr genau, loten diese aus, tappsen dabei aber nicht in die Schneller-Härter-Krasser-Falle. Erneut hervorragend von Erik Rutan (Hate Eternal, Morbid Angel) produziert, zeigt "Torture" die Band auf der Höhe ihres Schaffens. Das bedeutet auch, dass es auf diesem Album keine Überraschungen gibt. Aber gerade Cannibal Corpse gehören zu jenen Bands, von denen man sich nun auch wirklich nicht überraschen lassen will. Stattdessen hofft man als Fan, dass ein neues Corpse-Album starke Songs im liebgewonnen Soundgewand bietet, die schon beim ersten Hören mitreißen und auch beim x-ten Durchlauf noch aufgrund ihrer Detailverliebtheit und Raffinesse zu unterhalten wissen. Das alles gelingt der Band auf "Torture" in beeindruckender Manier und vielleicht sogar einen Tacken besser als auf "Kill" und "Evisceration Plague". Letzteres war bei Whiskey-Soda dereinst Album des Monats. Das sagt doch Alles.