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Aldous Huxley zeichnet in seinem Roman Brave New World eindrucksvoll das dystopische Szenario einer Welt im Zustand der perfekten Stabilität, aufrechterhalten durch die von Lebensbeginn an erfolgende permanente Konditionierung im Zusammenspiel mit Konsum, Sex sowie der Volksdroge Soma. Lebenselemente wie Liebe, Kunst, alte Literatur und humanistische Bildung an sich sind von der Führungsspitze als potentiell stabilitätsgefährdende Faktoren als für das Volk ungeeignet angesehen und daher staatlich verboten. Die Bevölkerung, die nicht auf natürliche Weise gezeugt, sondern industriell anmutend in einer Reihe von 'Produktions'-Zyklen erschaffen wird, gliedert sich ganz planmäßig in ein präzises Kastensystem ein. Dieses reicht vom elitären Alpha sowie Alpha plus, der herrschenden Klasse, bis Epsilon minus, der Bevölkerungsschicht, deren Bestimmung es schließlich ist, die niedersten Aufgaben in der Gemeinschaft auszuführen. Die New Yorker Band, um deren erstes Album 'Time Kills Everything' es hier gehen soll, hat sich bei ihrer Namensgebung als 'Beta Plus Embryo' eingeordnet - zwar ohne Aussichten auf die Spitze der befremdlich statischen Hierarchie in der Schönen neuen Welt, aber immerhin recht weit oben. Ob und, falls ja, wie weit nach oben sich Beta Plus Embryo in der diesseitigen Hierarchie vorarbeiten werden, bleibt - wir wollen es vorsichtig formulieren angesichts ihrer noch jungen Karriere - abzuwarten. 'Time Kills Everything' ist nämlich ein ...normaler Patient. Und bei der musikjournalistischen Leibesvisitation ist man bekanntlich bisweilen labil und psychotisch besser dran als ein routinegetriebener Normalo.
Frontmann Nick Baron ist in der Lage, seine gut geölte Stimme stufenlos je nach instrumentaler Intention zu regeln und ist in seinen kraftvollen Rufen, die in vielen Refrains die Stücke befeuern, genau so sonor wie in den zarter gesungenen Strophen, und das in höheren wie auch tieferen Tonlagen. Unter anderem dadurch tut sich die attraktive Vergleichsmöglichkeit mit 30 Seconds To Mars auf, die zudem ebenso gern mit energetischen Gitarren-Synthie-Kombinationen spielen wie Beta Plus Embryo sie auf ihrem Debütalbum regelmäßig liefern. Ein wenig Three Days Grace und eine Prise Seether haben sie beigemischt. Aussichtsreich lässt sich nach dieser Auskunft raten, wo es auch bei 'Time Kills Everything' hinkt. In der Tat: an der Nachhaltigkeit. Irgendwie scheint jedes Stück auf die gleiche Taktik zu setzen. Hochschalten, daherbrausen, durchtreten, runterschalten, Gas. Eben, wie es auch Jared Leto und Konsorten gerne tun. Und am Ende ist alles, was nach auch mehrmaligem Hören bleibt, eine zu wenig ausdefinierte Eindruckssuppe aus mittelklassigen Darkwave-Punk-Industrial-Kombinationen, die nicht wirklich im Ohr hängen bleiben. Am schwächsten erweisen sich dabei die bis auf wenige Ausnahmen dudeligen, melodisch belanglosen schnellen Refrains, die dem oft thrillerartigen Stück-Aufbau schlagartig die Spannung entweichen lassen. Zu oft gehört hat man jene Rhythmen, diese betont männlichen Gitarrenriffs, zu oft tönt zu ähnlicher Gesang, tönen langweilig übereinstimmende Klangfarben durch die schwachen Lautsprecher der Haushalts-Radios. Und auf letztere scheint man es auch bei der Produktion der Platte abgesehen zu haben. Vielleicht würde sich der eine oder andere Song ganz gut in einem trashigen Actionfilm machen, wer weiß.
Hin und wieder allerdings blitzen Momente des Besonderen auf. Zum Beispiel bei den sportlichen Gitarren in 'Disappear Here'. Zum Beispiel dann, wenn Beta Plus Embryo wie in 'The Swarm' oder 'Insatiable Desires' mithilfe origineller Synth-Einarbeitungen eine Art wilde Hektik einstielen, in der sich das Zärtliche ebenenübergreifend und nahezu nahtlos mit dem Berserkerhaften abwechselt. An dieser Stelle kommen berechtigerweise Nine Inch Nails als - wohl übermächtiger - Vergleichspartner ins Spiel, hinter denen die New Yorker nicht nur mit ihrem musikalischen Ideenreichtum, sondern auch lyrisch-inhaltlich eklatant zurückbleiben. Wer den Instant-Industrialpunk-Input sucht, der so schnell an Sprühwirkung verliert wie eine Wunderkerze, der wird ihn genau hier finden. Das mit den Refrains hatten wir ja eben schon.
Beta Plus Embryo sind genau das Richtige für einen Quickie an der Kopfhörermembran. Oder zwei. Mehr aber nicht. Und so bleibt der Hintergrund ihres Bandnamens vorerst das Interessanteste, was es über Beta Plus Embryo zu berichten gibt.
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