Wenn man sich als Band den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und dem Kampf gegen Missstände verschrieben hat, dann haben die letzten Monate eine Riesenfülle an Material geliefert, die für drei Alben reichen könnte. Anti-Flag gehen aber nicht in die Breite, sondern verarbeiten Obama-Administration, arabischen Frühling und Occupy komprimiert, tiefgründig und mit einer musikalischen Wucht, die ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Ein Album wie ein Aufruhr, das so nur in der freien Selbstproduktion entstehen und dann wohl auch nur 'The General Strike' heißen konnte. Man kann ja von Anti-Flag denken, was man will - über ihren Style, ihren unsubtilen Zugang zum Punkrock und einer gewissen Forcierung von Popularität. In jedem Fall ist der Vierer aus Pittsburgh eine Band, die sich eben nicht auf dem mit acht Alben schon Erreichten oder rein auf die technisch tadellose Produktion verlässt, die sie sich mittlerweile problemlos leisten kann. Anti-Flag entwickeln im Gegenteil immer neue Kräfte. Nach fast 20 Jahren Bandbestehen steckt in 'The General Strike' 120% der Energie jedes einzelnen Bandmitglieds. Das findet man so oft nur auf ambitionierten Punkrock-Debüts, in deren Nachfolge viele Bands dann gern stark nachlassen. Und das hat kaum noch etwas von den melodielastigen, leichter verdaulichen Stücken früherer Anti-Flag-Werke. 'The General Strike' präsentiert Hymnen für den alltäglichen Kampf für eine bessere Welt. Der wird auch im Jahre 2012 nicht obsolet, denn 'this ain't no fashion', sondern 'this is class war'. Und schließlich gibt es, das lehrten uns vor Urzeiten schon New Model Army, 'no rest for the wicked'. 'Become the pulse of the revolution' - aus dem Album lässt sich so viel notwendige Wut wie positive Energie schöpfen. Also Leute, Anti-Flag gehört und: 'resist! resist! resist!'