Nachdem sich in den letzten Jahrzehnten erst die Genres untereinander gemischt haben, ist die Musikentwicklung der letzten Jahre geprägt von einer Beimischung der Subgenres: Im Indierock finden sich elektronische Elemente wieder, Stonerrock trifft auf Metal und erzeugt einen interessanten Hybrid und Jazz wird mit Elementen des Dooms verdunkelt. Die Beliebigkeit zieht sich durch alle möglichen Subgenres und ist dem omnipotenten Einfluss der letzten Jahr(zehnt)e geschuldet. Zum Ausdruck wird die Entwicklung durch die Bands gebracht, die sich an unterschiedlichen Einflüssen orientieren und gegebenfalls einen Hype auslösen, der die Mixtur mit einem eigenen Begriff prägt. Bei Brother Sun, Sister Moon ist es die Fusion zweier Musiker, die zu einem interessanten Album führt, denn es treffen Birds Of Passage alias Alicia Merz und der DJ und Produzent Gareth Munday aka Roof Light aufeinander. Beide können unterschiedlicher nicht sein, denn bei diesem Duo stößt Folk auf elektronische Musik, wobei sich beide als Solokünstler bereits am experimentellen Rand ihrer Genres bewegen. Die ersten Songs des Debütalbums sind von Merz' Stil geprägt: Ein verzerrter Sound und ihre aus der Ferne singende, hallende Stimme können eine Beeinflussung von Sigur Ros nicht verneinen. Doch anstelle orchestraler Elemente bedient sich die Musikerin aus Neuseeland einer Gitarre und bringt damit Folk in ihre Musik. Doch hier greift wiederum Mundays Sound ein: Anstatt die Gitarre überhaupt zu spielen, wird im ersten Song 'Ghost Of Barry Mill' ein Gitarrensample genutzt, das am Ende kurze Pausen erzeugt und das Lied ist in seiner Struktur zerstückelt. Breakbeats sind eines der Hauptelemente von Roof Light, denn der britische DJ ist Teil einer Reihe von Produzenten, die die Monotonie elektronischer Beats mit Pausen durchbrechen und sich nicht scheuen, sich an anderen Genres, wie Dub Step oder Drum'n'Bass, zu orientieren. Das wird mit dem Stück 'Brother Sun, Sister Moon' verdeutlicht, das im Gegensatz zu den Songs mit Merz' Gesang deutlich elektronischer ausfällt und kurze Sprach- und Gesangssamples enthält. Dennoch bleibt der ruhige Stil, der das Album ausmacht, erhalten, nur dass sich der Hörer nicht mehr am ruhigen, meditativen Gesang orientiert, sondern sich in einer Chilloutarea befindet. So können zwei Stile ausgemacht werden, die mal für sich stehen und mal miteinander kombiniert werden, doch im Detail die Handschrift beider Musiker in sich tragen, was dem Debütalbum von Brother Sun, Sister Moon eine schöne Zweideutigkeit verleiht und somit die aktuelle Musikentwicklung unterstreicht.