Es ist endlich so weit. Das von mir und wohl auch einer Vielzahl anderer Freunde der gepflegten Unterhaltung am sehnlichsten erwartete Black-Metal-Album des Jahres ist erschienen. "Seven Bells", das neue Machwerk der Osnabrücker Okkult-Maschinerie Secrets Of The Moon läuft aus der Werft. Dabei sind die Gefühle vor dem ersten Hören sicherlich eher gemischt. Schon vorab wurde der Song "Seven Bells" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und konnte nicht gänzlich überzeugen. Zu sehr erinnerten die einprägsamen Strukturen an "I Maldoror" vom Vorgänger-Album "Privilegivm". Aber dann kam das Video zu "Nyx" und auch wenn dieses nur eine gekürzte Version des Songs enthielt, zeigte das Stück, was man Grandioses vom kommenden Album zu erwarten hat und wie sehr sich die Mannen in ihren Kompositionen gesteigert haben. Und jetzt ist der Moment gekommen, sich davon zu überzeugen, was das fünfte Album in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Eingeläutet wird "Seven Bells" vom schon erwähnten Titelstück, das nach wie vor nicht so recht zünden will. Zwar ist der Einstieg wirklich gelungen und der Song hat definitiv seine Momente, aber ab dem Zeitpunkt, mit dem er Fahrt aufnimmt, verliert er auch an Charakter und der Gesang bekommt einen fast schon nervigen Anstrich. Mit "Goathead" verhält es sich anschließend ähnlich, der Anfang des Stücks ist einfach zu brachial geraten und wirkt schon fast auswechselbar. Aber ab der Mitte des Songs passiert es dann. Die Geschwindigkeit wird rausgenommen und durch einen finsteren Doom-Part ersetzt, der alles in sich vereint, was Secrets Of The Moon zu so einer Urgewalt macht. Die stampfenden Drums, die sägenden Gitarren und der energetische Gesang von S. Golden. Ohne Zweifel, sie sind wieder zurückgekehrt! Und ab diesem Punkt wird die Qualität mit jeder Sekunde gesteigert. "Serpent Messiah" bildet die perfekte Fortsetzung und glänzt mit seinem erbarmungslosen und pfeilschnellen Aufbau, der von einem Pathos-strotzenden Chorus gekrönt ist. Jetzt ist der Stein ins Rollen gekommen und will nicht mehr stoppen. "Blood Into Wine" schafft es ebenso problemlos, den Raum mit Energie zu füllen und die Luft vor Spannung nur so knistern zu lassen. Die drei Musiker haben ihr Können seit "Pirvilegivm" noch einmal stark verbessert und wissen es gekonnt einzusetzen. Und auch wenn "Stronghold Of The Inviolables" ein geniales Album war, ist diese Musik nicht mehr mit dem ersten Langeisen der Osnabrücker zu vergleichen. Das beweist auch "Worship". Treibend, doomig und kraftvoll, mit einem melodischen Refrain versehen. Allgemein sind die Songs in ihrem Aufbau etwas simpler geworden und richten sich schon fast nach Popstrukturen - fast. Aber gerade diese Zugänglichkeit und der Wiedererkennungswert, ohne dabei Härte und Glaubwürdigkeit zu verlieren, ist die wahre Stärke von Secrets Of The Moon. Dazu passt auch die professionelle Produktion, bei der Tom G. Warrior von Celtic Frost maßgeblich seine Griffel im Spiel hatte. Der Sound ist lupenrein, aber brachial, gewaltig und bodenständig. Das steht der Musik besser zu Gesicht als der zu geschliffene Sound des Vorgängers. Hier wird sich eher wieder an "Carved In Stigmata Wounds" orientiert. Und dann kommt "Nyx". Dieser Song ist eine schiere Macht. Langsam, drückend und finsterer als die tiefste Nacht im Wald. Das ist vertonte Dunkelheit und die Verkörperung der okkulten Ansätze, die sich auch in den Lyrics wiederfinden lassen. "Nyx" bildet sowohl das Herzstück von "Seven Bells" als auch den stärksten Titel des Albums. Zusätzliches Schmankerl ist dabei natürlich das atmosphärische Outro aus der Feder von Bohren & Der Club Of Gore-Mastermind Morten Gass. Dieses rundet das Stück zusätzlich perfekt ab und verleiht ihm eine mysteriöse und beruhigende Aura, die wiederum das finale "The Three Beggars" einleitet. Inspiriert von Lars von Triers "Antichrist" wird hier das Ende der Welt beschworen und das Album zu einem ebenso würdigen Abschluss gebracht. Dieser Song vereint in sich noch einmal alle Stärken, von denen "Seven Bells" beachtlich viele hat. Und der eingearbeitete cleane Gesang von Kvohst macht "The Three Beggars" zu einem würdigen Nachfolger von "Shepherd". Dieses Album hinterlässt den Hörer wirklich mit einem offenem Mund. "Seven Bells" zeigt, wie gereift Secrets Of The Moon mittlerweile sind. Und anscheinend hat es nicht geschadet, dass die Französin LSK nur noch stellenweise mitwirkt und ihren Platz für den Gitarristen Ar freigegeben hat. Sowohl Musik als auch die Lyrics vereinen sich zu einem gigantischen Werk, das mit tollen Gastauftritten und genialen Kompositionen aufwarten kann. Das Stück "Seven Bells" ist dabei der einzige Schwachpunkt dieses Albums. Sonst wurde sich aber in allen Belangen nach vorne bewegt. Secrets Of The Moon sind und bleiben zusammen mit Lunar Aurora die Speerspitze des deutschen Black Metals.