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Mia -  Tacheles     Artist:  Mia
    Album:  Tacheles
    Label:  Island
    Release:  09.03.2012
   Medium:  Album
    Genre:  Elektro-Pop Diesen Artikel ausdrucken 
    Autor:  maximilian Artikel per Mail versenden 
 

Ficki Ficki! Die Sex-Metaphern auf dem neuen, fünften Mia-Album 'Tacheles' sind ziemlich durchsichtig angezogen, sodass die HörerInnen direkt auf die Dessous schauen können. Ein deutliches Beispiel ist die erste Single 'Fallschirm'. In den Strophen singt Frontfrau Mieze Katz beispielsweise: 'Jetzt will ich mich vergeben - Gott, lass es Männer regnen! Ich treib's wieder zu weit - am liebsten zu zweit.' Da ist sofort deutlich vorgezeichnet, in welche Richtung man den Refrain interpretieren muss: 'Weil ich so gerne fliege ohne Fallschirm, fall und nichts bereu - weil ich so gerne heul und um mich beisse, weil ich so gerne alles um mich schmeiße - weil ich so gerne liebe. Und ich könnt schon wieder, ich könnt's schon wieder tun, ich könnt schon wieder [Kunstpause] fliegen.' An dieser Stelle das andere f-Wort zu hören, wäre irgendwie auch nur folgerichtig gewesen - besonders, weil Mieze dann nachher sogar noch beginnt zu stöhnen. Anbiedernd klingt 'Fallschirm' aber auf keinen Fall. Zu den Klatsch-Beat-Strophen und dem farbenfrohen Refrain kann man wunderbar unter einem bunten Regenschirm durch den Regen hüpfen.

Aufdringlicher werden Mia im Song 'Der Einzige'. Wie Mieze ständig 'Babe!' haucht, klingt nicht verführerisch, sondern befehlerisch. Und die sprachlichen Bilder klingen irgendwie, als wäre die Protagonistin billig zu haben: 'Meine Kontrollstation gibt das Signal zum Kollidieren, Babe! Dein Scannerblick scannt mich und zieht mich ganz aus, Babe - bis auf die Gänsehaut!' ('Kopulieren' hätte von der Silbenzahl her übrigens auch gepasst. Warum nicht gleich?) Richtig zur Sache geht es dann im Abschluss-Song mit dem vielsagenden Titel 'La Boom'. 'Ja, Ja!, stöhnt Fräulein Katz, während es rund geht: 'Es fängt an, mich zu rühren. Es kitzelt und vibriert. Ist kurz vorm Eskalieren, um damit wahr zu sein.'

Die lustvolle Kunstpause im 'Fallschirm'-Refrain allerdings kann auch zum fassungslosen Verebben der Worte werden, wenn der Partner dann auf einmal weg ist. Dieses Gefühl zelebrieren Mia im Song 'Rien Ne Va Plus': 'Die Zeit müsste jetzt... Die Welt müsste jetzt... Mein Atem will still stehen.' Weitere Beziehungskrisen-Lieder sind 'Am Tag Danach' und 'Brüchiges Eis'. Letzteres ist musikalisch übrigens das vielschichtigste des Albums, wenn nach einem groovigen, Hip Hop-artigen Grundtakt die ganze zweite Hälfte in ein breit arrangiertes Instrumental übergeht.

Mit vielen Keyboard-Sounds und anrüchig-sehnsuchtsvollen Texten sind Mia dem Schlager sehr nahe. Manchmal, wie in 'Das Haus', kann man fast wie im Karneval die Hände zur Musik vor der Brust hin und her schwenken. Doch für den Schlager ist Miezes Gesang zu facettenreich und experimentell. Von energischer Tiefe bis in sinnliche Höhen schwingt sie sich. Besonders eindrucksvoll ist das, wenn sie dabei, wie im Opener 'Sturm', ihre Worte auch noch gegen den Rhythmus der Instrumente verschiebt. Es liegt also schon noch ein Graben zwischen den Sex-Metaphern auf 'Tacheles' und Krachern wie 'Du Hast Den Schönsten Arsch Der Welt'.


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