Und alle Jahre wieder kommt Rudy R. mit einem Album um die Ecke, immer pünktlich im April. Langsam fällt einem kaum noch etwas ein, was man dazu sagen soll. Wer :Wumpscut: mag, wird völlig kritiklos alles kaufen, was Rudy R. so hergibt, wer :Wumpscut: nicht mag, wird auch mit diesem sechsundreissigsten (oder nicht?) Album nicht glücklich werden. Da Rudy R. ohnehin gegen jede Kritik resistent ist (und das ist NICHT abfällig gemeint), ist es ein halbwegs leichtes, seine Gedanken zu dieser Musik zu Papier bringen – nur werden es ähnliche Gedanken sein, wie bei dem Album davor. Und dem davor. Und dem davor. Und dem davor. Und…. Auch 'Women And Satan First' ist ein unverkennbares :Wumpscut: - Album. War der Vorgänger 'Schrekk & Grauss' noch ziemlich sperrig, so gibt es auf 'Women And Satan First' wieder diverse sehr eingängige Stücke, weniger kranke Effekte. Die Stücke erreichten schon lange nicht mehr die extreme Düsternis von legendären Alben wie 'Embryodead' einige richtig gute, meistens sehr basslastige Tracks wie z.B. der überragende Titeltrack sind aber schon dabei. Die extrem harten Samples und Gitarren, die auf einigen Tracks der Vorvorgänger ('Falling From Lucifers Grace') am Start waren, sind verschwunden. Hier und da wird es aggressiv und finster ('Kill That Little Fuck' – welch höchst einladender Titel für diesen schön fiesen Track mit einer Erzählstimme in Slowmotion und ultragemeinem Text); leider aber auch hin- und wieder relativ unbedeutend und nicht besonders spannend. Es hat sich bei :Wumpscut: also nichts geändert: Zwei oder drei überragende Stücke, drei bis vier gute Songs (unter anderem 'Burial On Demand', 'Grobian') der Rest Füllmaterial, das nie schlecht ist, aber eben auch nicht weiter auffällt. Das, was an diesem Album auffällt ist das Artwork. Mit dem Fotokünstler Herrn Buchta scheint Rudy R. die absolute Verachtung für menschliches Leben zu teilen, sonst würde man so ein widerwärtig abartiges Cover nicht benutzen. Wenn die Musik nicht mehr und die Texte nur noch bedingt taugen, um Kritiker, Zensoren und die Schützer der Moral auf den Plan zu rufen, muss man eben an der Provokation durch das Artwork schrauben. Herr Buchta geht bei diesem Artwork einen höchst fragwürdigen Weg, in dem er verschiedene Merkmale des menschlichen Körpers grotesk ins Negative überzeichnet. Es kann sich jetzt jeder selbst überlegen, was für Assoziationen das bei besonders empfindlichen Meckerköpfen wohl hervorrufen könnte, immerhin legt Herr Buchta bei der Überzeichnung mehr wert auf Brüste, Schwangerschaftsstreifen und Augen als auf die Nase... Mit Sicherheit werden die beiden Herren aber mit diesem Cover unter Fans und Szenegängern für Gesprächsstoff sorgen und somit gilt: Werbetechnisch alles im grünen Bereich. Eigentlich aber ist das schade, denn mit dem Artwork sowohl für Blind Guardian als auch für Bushido hat Herr Buchta schon gezeigt, dass er diese mit extremem Wiedererkennungswert ausgestattete Kunstform auch ohne diesen negativen Beigeschmack beherrscht. Aber schlußendlich ist 'Women And Satan First' ein typisch :Wumpscut:'sches Gesamtpaket geworden. Teils provokant, teils großartig, teils langweilig. Wie immer also.