Manchmal gibt es Musik, die ist Magie. Es ist selten, aber manchmal passiert das. Es ist ein bestimmtes Zusammenspiel aus Intensität, Emotion, Melodie und Herzblut, das in exakt der richtigen Form vermengt mit absoluter Beherrschung des Instrumentes etwas schwer in Worte zu Fassendes hervorbringt. Viele solcher Solokünstler gibt es nicht. Tim Scott McConnell ist einer davon. Früher bei The Havalinas an der Gitarre und schon mit den größten Gitarrenkünstlern unserer Zeit unterwegs gewesen, hat McConnell nun unter seinem Projektnamen Ledfoot das Album 'Gothic Blues - Volume One' herausgebracht. Im Endeffekt hat Ledfoot mit dieser Bezeichnung für seine Kunst den Nagel auf den Kopf getroffen. Er ist ein Groß-, nein, besser: Zeremonienmeister auf der klassischen 12-String Blues-Gitarre, benutzt diese Basis aller Gitarrenmusik aber - und hier kommt der Gothic ins Spiel - um mit modernen Gothic-Melodien (und nur seltener den klassischen, ebenfalls traurigen Blues-Melodien) und ebenso schwermütigen, fast verzweifelten Texten eine weitaus größere Düsternis zu transportieren als es dem simplen Blues möglich wäre. Er erzählt Geschichten von Trauer und Verlust und Verlorensein. Man mag diese hohe Kunst seiner Trailerpark-Herkunft zuschreiben, kann aber auch einfach so glauben, dass dieser Mann schon so Vieles erlebt hat, dass es reichen würde, 200 Songs darüber zu schreiben. Eine Stimme wie diese gab es lange nicht mehr, vielleicht nicht seit Johnny Cash, auch wenn Ledfoots Stil ein gänzlich anderer ist. Aber diese Direktheit, mit der Ledfoots Stimme direkt ans Herz des Hörers greift und dann den Würgegriff ansetzt, ist der Traurigkeit von Johnny Cash ähnlich. Ledfoots Stimme ist viel höher, vermutlich von Alkohol und Zigaretten zu dem gemacht, was sie ist: tragisch, traurig, schmerzvoll, wunderschön. Ein Song wie 'Mean To Me' ist einfach nur ein Wunder. Je trauriger die Stücke sind, umso grandioser sind sie auch. Ein Mann, 12 Saiten, eine Gitarre. Mehr braucht es nicht, um den Hörer zu packen und nie wieder loszulassen. Die in Dur gehaltenen Stücke mit eher klassischer Blues-Grundstimmung und dem südstaatenmäßigen Staubige-Straße-Drive wie 'Purgatory Road' oder 'Save My Ass' sind allemal sehr gut und zeigen vor allem, was der Meister auf seiner Gitarre so alles kann. Aber die wahren, zeitlosen Meisterwerke sind die traurigen Lieder, die wie in von Tränen durchwirkten Samt gewickelte Vorschlaghämmer das Herz zertrümmern. 'The Cold Light Of Day', das alles überragende 'Mean To Me', 'How You Lose Your Innocence', 'I'll Dream Of You Tonight' - das ist Musik, die zum Heulen schön ist. Besser kann man klassische Gitarrenmusik nicht machen.