Die Bedeutungsschwere der Film-Szene färbt von der Leinwand auf den ganzen Kino-Saal ab. Es herrscht Stille und Spannung liegt in der Luft. Doch dann KRATSCH. Jemand beißt in seine Chips. Und schwupps realisieren alle anderen KinobesucherInnen wieder, dass sie gerade nur in einem Kinosessel sitzen und dass das, was sie da gerade sehen, nur ein Film ist. Stimmung kaputt. Der Dubstep-Produzent Rusko hingegen weiß dieses Chips-Knacken auf seinem zweiten Album 'Songs' genau richtig einzusetzen. In seinem Track 'Roll The Beats' setzt er inmitten von sich aufwallenden Bässen auf die erste Zählzeit oft Pausen, die dann nur ein einzelnes solches Knirschen ausfüllt. Das gibt Dynamik. Außerdem für die Dynamik zuständig ist das Toasting, eine Mischung aus Rap und Reggae-Gesang, den Ruskos Gäste in vielen Songs über die Electro-Beats legen. ('Skranker', 'Love No More', 'Be Free', 'Roll The Beats'). Der Beat von 'Love No More' enthält sogar reggae-typische Gitarren, Trompeten und Percussion. Die andere große Säule von 'Songs' ist die Dekonstruktion von David Guetta-Melodien. Viele Tracks beginnen wie Girlie-Tanzmusik, die Rusko dann mit seinen schmutzigen, abgefreakten Beats abschneidet. ('Somebody To Love', 'Opium', 'Asda Parl Car Park') Manchmal zieht Rusko die David Guetta-Schiene allerdings auch durch und setzt auf Gute Laune-Hooklines. ('Thunder') 'Dirty Sexy' hingegen klingt original wie ein Song von Rihanna, inklusive klassischem 'Umbrella'-'Eh eh eh'. Zum Schluss des Albums kommt dann noch ein Klavier ins Spiel. Im vorletzten Track 'Whistle Crew' noch treibt es den Beat als zappelnder Unruheherd an, bevor es dann im Abschluss-Song 'm357' schwelgerisch hallend das untermalt, was man wohl eine Dance-Ballade nennt. Ein gut tanzbares, abwechslungsreiches Album hat Rusko mit 'Songs' produziert, auf dem sich hin und wieder aber doch eine Nummer tummelt, die ein bisschen niedriger ist als die hohe Latte, die der Großteil vorlegt. ('Pressure', 'Mek More Green') Während dieser Songs kann man dann auf der Tanzfläche etwas entspannen und sich noch einen Drink holen - oder eine Tüte Chips, damit man, wenn es wieder abgeht, die Breaks mitbeißen kann.