Knapp ein Jahr nach der verspäteteten 'Live From Amsterdam' gibt es schon den nächsten Konzertmitschnitt von Alter Bridge, dieses Mal aus London. Mehr als 10.000 Menschen hatten sich in der Wembley Arena eingefunden, um die Band aus Florida zu erleben. Schon erstaunlich: Auf derselben Tour spielten Alter Bridge in Hamburg vor nur etwa 1500 Leuten im Stadtpark. Außerhalb von Deutschland ist die Band, die einst als Creed-Nachfolgeband gestartet ist, längst viel mehr als das - und ein Riesenname. Offenbar haben hierzulande noch viel zu wenige bemerkt, welche Klasse im Katalog von Alter Bridge steckt, der bisher drei Studioalben umfasst, und welche Live-Qualitäten das Quartett auszeichnet. Höhepunkte in Wembley sind 'Ghosts Of Days Gone By' und 'Come To Life', bei dem sich das englische Publikum als textsicher und stimmgewaltig erweist. Stimmgewaltig ist aber vor allem Myles Kennedy. Wer es noch nicht gemerkt hat: Myles ist ein genialer Frontmann - definitiv ein Superstar in der nächsten Generation der Sänger. Das hat ja bekanntermaßen auch Gitarrengott Slash gemerkt und ihn für sein nächstes Album gleich komplett als Sänger verpflichtet. Myles Kennedy kann Hardrock-Knaller wie 'Metalingus' raushauen und Balladen wie 'Broken Wings' mit Herzschmerz anreichern. Dazu kommt sein direkter und authentischer Draht zum Publikum. Das kommt an bei den gut 10.000, die in bester Stimmung 'das Dach der Halle sprengen' (Kennedy). Die zum Teil spektakuläre Show mit Laser-, Pyro- und Feuereffekten kommt in gestochen scharfem Bild. Die Beleuchtung ist allerdings die meiste Zeit dermaßen hell und steril, dass die authentische Konzertatmosphäre rein visuell drunter leidet. Vielleicht liegt es daran, dass in 3D gefilmt wurde? Am besten sieht es immer noch aus, wenn auf 16 mm gefilmt wird. (Schön zu sehen bei der aktuellen Iron Maiden-DVD 'En Vivo!'.) Ähnlich verhält es sich beim Ton. Die Abmischung geht zwar grundsätzlich in Ordnung. Allerdings ist in Myles Kennedys Gesang etwas zu viel Hall drin. Im Kontrast dazu ist das Publikum dann doch etwas zu leise, sodass ein leichtes Ungleichgewicht entsteht. Das gibt noch mal leichte Abzüge im Rock'n'Roll-Faktor. Dasselbe gilt für die Audio-CD, die leider sieben Tracks kürzer und damit mehr was Halbes als was Ganzes ist. Warum keine Doppel-CD? Dafür ist es immerhin eine Doppel-DVD. Die zweite enhält eine Dokumentation rund um das Konzert mit einer Laufzeit von knapp 60 Minuten - schon mehr als die übliche Featurette. Der Trailer für das Konzert ist ein netter Bonus. Alles in allem begeistert der schicke Digipak im Schuber also in Inhalt und Aufmachung trotz kleiner Makel hier und da und der eigentlich verzichtbaren CD. Die Konzertschau macht zweifellos großen Spaß. Und angesichts des immensen Erfolgs von Alter Bridge muss man sich auch keine Sorgen machen, dass Tremonti, Phillips und Marshall nach der anstehenden Creed-Tournee mit Scott Stapp weitermachen oder Myles Kennedy nicht von der Slash-Tour zurückkehrt.