Paradise Lost sind eine Legende. Die frühen Alben der Band gelten als absolute Referenzwerke im düsteren Metalbereich und haben bis heute aberdutzende andere Bands beeinflußt. Nichtsdestotrotz gingen die Briten um Sänger Nick Holmes einen Weg, der nicht unbedingt vorherzusehen war. Statt sich auf den Lorbeeren der legendären Alben "Icon" und "Draconian Times" auszuruhen und möglicherweise einfach in einem immer gleichen Stil langsam zu verenden, hat sich die Band mehrfach neu erfunden und dabei von Gothic Rock bis hin zu fast reinem Electro alles ausprobiert. Nun erscheint mit "Tragic Idol" das neue Album von Paradise Lost. Man hätte es aufgrund der Side-Project-Aktivitäten von Gitarrist und Songwriter Greg Mackintosh und Drummer Adrian Erlandsson, die mit Vallenfyre ein ultradüsteres, krasses Oldschool Death/Crust-Album aufgenommen haben, fast erahnen können: "Tragic Idol" macht Schluss mit jeglicher Form von Neuerfindung. Der Weg zu "Tragic Idol" war bereits auf dem Vorgängeralbum "Faith Divides Us, Death Unites Us" erkennbar, dass er aber in einer solchen Konsequenz gegangen wird wie auf dem dreizehnten Studioalbum der Band zu hören ist, war nicht zwangsweise vorhersehbar. Paradise Lost machen auf "Tragic Idol" eine Mischung aus Doom Metal alter Schule und klassischem Heavy Metal mit Gothic-lastigen Momenten. Ein Stück wie "In This We Dwell" hat vom Riff her jedenfalls eine nähere Verwandtschaft zu Iron Maiden oder Manowar als jeder andere Song der Bandgeschichte. Die Produktion ist glasklar und verfügt über die härtesten Gitarren seit langer Zeit. Adrian Erlandsson ist schon seit seiner Zeit bei At The Gates ein begnadeter Drummer, Nick Holmes hat jeden Wackler, den es in seinem Gesang jemals gab, ad acta gelegt und röchelt, grunzt, schreit und singt mit der bisher größten stilistischen Bandbreite. Das Riffing ist brutal hart, schneidend und extrem abwechslungsreich; stellenweise beim ersten Hören etwas sperrig ("Crucify"). Der Opener "Solitary One" wird von einer einfachen, aber unglaublich effektiven Keyboardmelodie getragen, die mit an "Shades Of God" erinnernden Soli und fetten Riffs unterlegt wird, so dass ein Doomster erster Güte am Anfang dieses Albums steht. Ähnlich düster und derb geht es auch bei "Crucify" und "Honesty In Death" zur Sache, die tatsächlich vor allem aufgrund der Gitarrenmelodien und Soli weitere Erinnerungen an "Shades Of God", "Icon" und "Draconian Times" wecken. Nick Holmes dagegen übertrifft seine damalige Gesangsleistung bei weitem. Beim überragenden Titeltrack "Tragic Idol" verbeugt er sich stimmlich und stilistisch vor Pete Steele und Type O Negative, ansonsten ist Nick Holmes mittlerweile der beste Sänger des düsteren Metalbereichs. Ausfälle gibt es auf "Tragic Idol" keine. Egal ob die schnelleren, Heavy-Metal-lastigen Stücke wie "To The Darkness", die melodischeren, nichtsdestotrotz extrem düsteren Stücke wie "Fear Of Impending Hell", das so wie es ist auch auf "Icon" einer der besten Songs gewesen wäre, bis hin zu den langsamen, ultraschweren Doomstücken wie "The Glorious End" - jeder einzelne Track ist ein in sich geschlossenes Meisterwerk. Das führt dazu, dass "Tragic Idol" das mit Abstand beste Düster-Metal-Album seit Jahren ist und Paradise Lost es tatsächlich geschafft haben, dem Legendenstatus ihrer früheren Alben nicht nur gerecht zu werden, sondern ihm die Krone aufzusetzen. "Tragic Idol" ist ein ganz klarer Anwärter auf das Album des Jahres.