Wer denkt nicht gern mit einem leicht vernebelten Lächeln an "Sleep's Holy Mountain", das Meisterwerk, mit dem die Freunde der Nutzpflanze Hanf und die sicherlichen Legalisierungsbefürworter Sleep auch nach ihrer Auflösung und späteren Reunion den meisten im Gedächtnis hängen geblieben sind? Kurz nachdem sich die Vorzeige-Stoner im Jahr 1998 allerdings auflösten, wurde durch Matt Pike mal flux High On Fire gegründet, ein weiteres Stoner-Projekt, das mittlerweile fünf Alben auf den Markt geworfen hat und mit dem Sechsten, "De Vermis Mysteriis" jetzt auch in Übersee Fuß fassen will. Denn komischerweise hat es der Bekanntheitsgrad nie aus den USA heraus geschafft. In Anbetracht der Spielerfahrung könnte der Versuch aber durchaus klappen, jedoch gilt bisher "Death Is This Communion" als absolutes Killer-Album und damit auch als Referenzwerk für alle Folgeerscheinungen. Der Vorgänger "Snakes For The Divine" dagegen musste sich allerdings aufgrund der klassischen Ausrichtung so einige kritische Kommentare gefallen lassen. Somit steigt die Spannung, was der neue Gassenhauer der Kalifornier zu bieten hat. Und schon von Anfang an macht "De Vermis Mysteriis" klar, dass es weder eine Kopie des 2007 erschienenen "Death is This Communion", noch ein Nachfolger des 2010er "Snakes For The Divine" ist. Denn gleich der Opener "Serums Of Lia" weiß, wo er hin will - direkt in die Fresse. Hier werden keine großen Experimente mehr gemacht, sondern die fetten Stoner-Riffs mit drückenden Doom-Einflüssen und treibenden Thrash-Attacken gemischt. Explosiver geht es kaum, das geht direkt nach vorne. Und auch "Bloody Knuckles" legt keine Pause ein. Durch schwere Gitarren und dichte Drum-Gewitter bekommt die Musik einen gewaltigen Druck, der in "Fertile Green" sogar an die alten Hasen von Slayer erinnert. Und erst mit "Madness Of An Architect" wird die Geschwindigkeit etwas zurückgefahren und die Stoner-Elemente erhalten in dröhnenden Passagen etwas Freilauf. Gerade in diesen Momenten zeigt die Band, was sie wirklich kann. Die Produktion wirkt klarer, die Instrumente bekommen mehr Eigenständigkeit und die Musik letztendlich mehr Kraft. Im Instrumental "Samsara" wird dieser Weg weiter geführt und final im genialen "King Of Days" zu einem Höhepunkt gebracht. Langsame Saiten, einfallsreiche Soli und über allem der charakteristische Gesang von Matt Pike. Herz, was willst du mehr? Ja, was will es denn nun? Immerhin zeigen High On Fire, dass da immer noch Potenzial nach oben ist. Zwar ist "De Vermis Mysteriis" schlüssig aufgebaut und weiß jederzeit zu überzeugen, aber gerade "King Of Days" zeigt, dass da noch mehr geht und die Lücke zu "Death Is This Communion" noch nicht gänzlich geschlossen wurde. Allerdings ist dieses Album auch weit besser als sein Vorgänger und erlaubt sich nur sehr selten Schwachstellen. Wer also ein ordentliches Brett der metallisierten Sorte abbekommen will und auf Bands wie Sleep, Red Fang, aber auch auf Experimentierfreudigeres wie Mastodon oder Neurosis steht, wird mit dieser Band seine Freude haben.