Es gibt Bands, die liebt man entweder, oder man verachtet sie. Für die einen ist es nur schnödes Gedudel, für die anderen herzzerreißend. Ganz besonders nach diesem Schema verhält es sich bei den sogenannten 'Girlie-Bands', wie auch The Rasmus in den Augen der überwiegenden Mehrheit eine sind. Die Tatsache, dass die Finnen um Frontmann und Teenieschwarm Lauri Ylönen das fragwürdige Talent besitzen, immer und immer wieder den - mit Verlaub - miesesten Song eines jeden Albums als erste Single auszukoppeln, lässt die reputative Läuterung in weite Ferne rücken. Nun sind sie zurück, und scheinbar haben sie nichts gelernt, die bittersüß rockenden Skandinavier, denn tatsächlich ist 'I'm A Mess' alles andere als das Glanzstück der neuen, selbstbetitelten Platte. Die gute Nachricht: Allzu schlecht ist das Stück gar nicht, auch textlich, und so handelt es sich auch beim Rest des Albums keineswegs um zu vernachlässigenden Dunkelkitsch-Brei, wenn auch kein einzelner Song als Juwel aus dem Gesamtpaket herauszustechen vermag. Entgegen der Meinung vieler Kritiker mit Kleinmädchenphobie war das aber auch bisher nirgendwo in der Rasmus-Diskographie der Fall. The Rasmus können nichts dafür, dass sie unter ihrem Wert verkauft werden. Nur deckt sich eben die Zone, in der sie sich schon seit geraumer Zeit am wohlsten fühlen, die Zone des melodiös einladenden, leichtgängigen Romantikrocks, mit streng beäugtem Territorium. Kritisch zunächst: Auf 'The Rasmus' lassen The Rasmus keine einschlagende Weiterentwicklung erkennen. Vielmehr schmiegt sich der Neuling, was den Sound angeht, an seinen Vorgänger 'Black Roses' an und ist frei von vorpreschenden, aggressiven Gitarrenpassagen à la 'Hide From The Sun'. Wer allerdings bei dieser Feststellung geneigt ist, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, der sei beruhigt: Bei den Finnen ist ein Mangel an Progressivität noch kein Totschlag-Argument. Vielmehr zeichnet sich ihr Stil ja dadurch aus, dass er in die Horizontale wächst und bei einem Pi mal Daumen gepeilt in den letzten drei, vier Veröffentlichungen gleichgebliebenen Sound immer wieder neue, interessante Spielarten entwickelt, ohne dabei zu langweilen. The Rasmus wiederholen einfach konsequent das, worin sie schon seit jeher am besten waren: Catchy Tunes schmieden. Und sie schaffen es immer wieder. Zugegeben: Bei der Abwechslung in der Auswahl der Themenfelder hinkt es ein wenig, sind es doch immer wieder verletzte Gefühle und gebrochene Herzen, von denen uns Lauris charismatische Stimmfarbe zu gemäßigt komplexen Harmonien Bilder in den Kopf malt. Inhaltlich sind die selbstfindungslastigen Stücke wie das tief-reuige 'Save Me Once Again' nicht wirklich eine Neuheit und gerade von den Finnen schon desöfteren in ähnlicher Form abgeliefert worden. Im letzten Stück, 'Sky', welches durch seinen Wiegerhythmus hervorsticht, werden schließlich die letzten Taten und Wünsche vor dem Dahinschwinden - wohin auch immer - umrissen. Hier kommt aller vorangeganenen authentischen Rührseligkeit zum Trotz doch eine Spur zu theatralisch das Selbstmitleid zum Ausdruck. So verleiht die Abschlusszeile 'Maybe it's not too late to regret now' einer Platte, die ohnehin reich an emotional intensiven Schuldzuweisungen verschiedener Art ist, obendrein einen betont sühnigen Nachdruck, der dem Einen oder der Anderen ein wenig die Stirn runzeln lassen könnte. Auf 'The Rasmus' kommt aber nun auch die besondere Komponente der einen, richtigen Person hinzu, von der man hofft, dass sie einem eines Tages begegnen und schlagartig die Herzensgegend auf Vordermann bringen wird. Auf die kommt Lauri, der sich neuerdings übrigens wieder gefiedert präsentiert, bereits im Opener 'Stranger' zu sprechen. Die Schlüsselverse: 'I've been missing vital pieces of the puzzle / You might be the answer, stranger'. 'Someone's Gonna Light You Up', ein ganz passabler Rocker, zielt, wie sich am Titel unschwer erkennen lässt, auf die gleiche Thematik ab. Mit der Notwendigkeit, Schlussstriche zu ziehen und auszubrechen, beschäftigt sich demgegenüber 'Somewhere' ('I'm on the road that leads me nowhere / Shattered but I don't care'), das zunächst mit weniger dichten Gitarren-Akkorden auskommt, sich aber dann im Klang dem Rest des Albums angleicht. Ein wenig hätte Lauri, der sich mit seinen gewohnt ohne Umschweife eingängigen Vocals durchgängig selbst im Background begleitet, dort mit gehauchten 'Heey's sparen können. Wer The Rasmus bisher mochte, wird mit der Anschaffung ihrer neuen Scheibe kein Überraschungsmoment durchleben, aber absolut nichts verkehrt machen: Die Band präsentiert ein weiteres Mal direkten, eingängig gemäßigten Rock mit der grauen Würze der Melancholie und ohne Qualitätsverlust - kein Song, der nicht zum hartnäckigen Ohrwurm mutieren könnte. Jedem Anderen sei an dieser Stelle die Hoffnung genommen, am 20.04.2012 oder überhaupt noch in diesem Jahr einen Zugang zum System Rasmus zu finden.