Von Hollywood-Stars ist man es ja gewohnt, dass sie sich aufgrund 'unüberwindbarer Differenzen' trennen. Aber von Power-Metal-Bands? 'Unüberwindbare musikalische Differenzen' gaben Herman Li und Co. vor fast genau zwei Jahren als Trennungsgrund von Frontmann ZP Theart an. Der neue Longplayer 'The Power Within' war schon in Arbeit, bevor ein neuer Sänger gefunden wurde. Die Suche nach ihm hat ein Jahr gedauert. Marc Hudson heißt der Mann, der wie sein Vorgänger nur eine Nebenrolle bei Dragonforce spielen wird. Denn dass diese Band von ihren Highspeed-Instrumentalisten lebt, ist jedem klar, der mindestens ein Album von Dragonforce gehört oder sie live erlebt hat. Der Gesang soll hier natürlich trotzdem nicht unterbewertet werden. Marc Hudsons Stimme ist etwas 'gewöhnlicher' als die seines Vorgängers. Wo ZP Theart schon ins Opernhafte ging, bleibt Hudson bodenständig. Dass er durchaus ein kräftiges Organ hat, beweist er eindrucksvoll im Finale der Megahymne 'Wings Of Liberty'. Ansonsten bleibt musikalisch alles beim Alten, zumindest was den Stil angeht. Leitender Songschreiber bei Dragonforce ist weiterhin Gitarrist Sam Totman, aus dessen Feder die Musik für acht von neun Songs stammt. Den für Dragonforce fast schon ruhigen Rocker 'Seasons' hat Bassist Frédéric Leclercq geschrieben. (Eine Akustik-Version ist übrigens auch mit drauf.) Tatsächlich ist 'Seasons' der einzige Song auf dem Album, der leicht von den anderen abweicht. Der melodische Stil von Totman unterliegt keiner Evolution, sodass Highspeed-Power-Metal-Kracher wie 'Holding On' oder 'Die By The Sword' (oder jeder andere) nahtlos an die vorherigen Dragonforce-Alben anschließen. Einen wesentlichen Unterschied gibt es allerdings doch: Die Songs auf 'The Power Within' sind im Schnitt deutlich kürzer, als man es bisher von Dragonforce gewohnt war. 'Wings Of Liberty' (7:23 Minuten) ist der einzige seiner Art. Die Mehrheit der Lieder bleibt sogar unter fünf Minuten. Dafür gibt es eins mehr. Erstmals sind auf dem neuen Album neun statt wie bisher acht Songs. Das mit der Länge ist schade. Schließlich waren gerade die schier endlosen, unglaublichen Soli das Markenzeichen von Dragonforce. Natürlich muss man nicht ganz auf die ausgedehnten Solo-Exzesse verzichten - zum Glück. Ein wahres Fest bietet in dieser Hinsicht das großartige 'Last Man Stands'. Und dass fast alle Songs dank starker Melodien sofort ins Ohr gehen, macht die Kürzung der Saitenspielereien noch ein kleines bisschen wett, sodass 'The Power Within' ein relativ gutes Album ist. Für Diskussionen unter den Fans wird es dennoch bestimmt sorgen.