Zimmer aufräumen, Kaninchenstall ausmisten, Unkraut zupfen - wenn Kinder auf etwas keine Lust haben, dann stemmen sie die Hände in die Hüften, sagen 'Nein!' und machen es nicht. Diese Fähigkeit scheinen Menschen mit zunehmendem Alter zu verlernen. Wenn es bei Erwachsenen heißt: 'Ich bin krank, kannst Du meinen Dienst übernehmen?', sagen die meisten 'Na gut...', obwohl sie eigentlich schon auf dem Zahnfleisch gehen. Locas In Love erteilen diesem Nachgeben jetzt eine entschiedene Absage. 'Nein!' haben sie ihr Mini-Album genannt, auf dem sie Song-Ideen aus den Sessions zum Vorgänger 'Lemming' verwirklichen und einige ganz neue Stücke veröffentlichen - und zwar nur digital und in limitierter LP-Auflage. Mit diesem Album können wir das Nein-Sagen wieder lernen, wenn Björn Sonnenberg singt: 'Müssen wir uns wirklich selber zermahlen, weil wir glauben, wir müssen die Miete bezahlen? Müssen wir uns wirklich selber zermartern, weil wir glauben, dass es irgendwer von uns erwartet? Nein!' ('Nein') Dieses 'Nein!' bezieht sich auch aufs Musik-Machen. Nicht dazugehören wollen Locas In Love beispielsweise zur Bewegung der 'Neuen Deutschen Weichlichkeit' von schmerztrunkenen, pathetischen Barden: 'Niemand interessiert sich für detaillierte Beschreibungen von fremdem Elend. Ich habe es satt, dass mir irgendwelche Sänger von ihren harten Zeiten erzählen.' So erklärt es Björn in sachlichem Tonfall, aber mit ungeheurer Schnelligkeit und wie durch ein zu leises Megaphon im Stück 'Vs. Kong', dem Kern dieses Albums, den die Band auch schon auf ihrer Tour im vergangenen Herbst gespielt hat. Zusätzlich zum reguären Song findet sich auf dem Album auch die Hörbuch-Variante, die gelesen vom ehemaligen 'Tatort'-Kommissar Charles Brauer und in zwei Teile geteilt das Album an Anfang und Ende umrahmt. In diesem Text formuliert Björn Ziele, die er mit den Inhalten der Locas In Love-Stücke erreichen möchte: 'Jeder Satz muss wie King Kong sein, der auf Deinem Rücken sitzt und an Dir rüttelt, bis Dir etwas einfällt, was wirklich wichtig ist.' Es reicht Locas In Love nicht, dass ein Lied einfach nett anzuhören ist - überspitzt formuliert: 'Dieses Lied soll so klingen, dass es schwer ist, mitzusingen.' ('Bushaltestelle', Coverversion eines Songs der befreundeten Band 'The Philistines Jr.') Locas in Love spielen aufrichtige und bodenständige Musik. Die Band verliert sich nicht in selbstgefälliger Melancholie mit triefenden Streichern, sondern setzt solche besonderen Mittel nur ein, wenn sie auch wirklich passen. Texter und Sänger Björn hütet sich auch davor, mit Sprachbildern wie zum Selbstzweck so um sich zu werfen, wie es manch ein aufgesetzter Poet mit verträumtem Blick in diesen Tagen gerne tut. Und wenn Björn dann mal ein Sprachbild zückt, dann passt das auch hundertprozentig: 'Wenn Du einen Platz in Deinem Herzen hast, an dem ich mich leise hinlegen kann wie eine alte Katze, ist das schon genug für mich.' ('Alte Katze') Die düstereren Texte des Albums verpacken Locas In Love in zackige Melodien, sodass die Gute-Laune-Melodie dem Schlechte-Laune-Text Einhalt gebietet. Diese Technik ist viel wirkungsvoller, als an diesen Stellen die Weltuntergangs-Streicher rauszuholen. So können die ZuhörerInnen vergnügt mit dem Kopf wippen, während Björn mit seiner warmen, schnurrenden und immer leicht heiteren Stimme singt: 'Schlag betrunken auf die Gitarre als wäre sie ein Schlagzeug, als wäre sie ein Klavier, als wäre sie Dein ganzes Leben - oder zumindest verantwortlich dafür, dass alles so schief gegangen ist.' Wie schon für ihr erstes Mini-Album 'Winter' haben Locas In Love auch für 'Nein!' wieder zwei Instrumental-Stücke aufgenommen, eines davon als Soundcollage mit einer Stimme auf der Mailbox, die eine Nachricht für die Bassistin Stefanie Schrank hinterlässt. A propos Mailbox: Warum nicht mal einfach Teile dieses Albums als Ansage auf die Mailbox spielen, das Handy ausschalten und dann einen Spaziergang machen? Müssen wir denn jederzeit für jeden erreichbar sein? Nein!