Der Synthesizer-Sound zieht sich immer höher, der Beat macht eine Pause - und gleich muss es doch abgehen! Zum Beginn des nächsten Taktes springst Du in die Luft - aber irgendwie bist Du der einzige. Und wie ein angeschossener Vogel fällst Du wieder runter. Da hat Dich der Song wohl hinters Licht geführt. Wenn es danach geht, dürfte man zu Lazer Sword gar nicht tanzen. Denn auf dem Album 'Memory' der zwei kalifornischen Elektronik-Künstler kann man als ZuhörerIn nie erahnen, was als nächstes passiert. Ihre Musik ist alles andere als treibend - und genau das macht sie so unberechenbar. Während man bei vielen Dance-Songs schon beim ersten Hören die Struktur intuitiv durchschaut, tappt man zu Lazer Sword hilflos umher. Die verschiedenen, minimalistischen Elemente eines Songs fetzen nicht auf ein gemeinsames Ziel hin, sondern scheinen sich gegenseitig zu belauern und darauf zu achten, was das jeweils andere macht. Das Ergebnis ist wabernde Irritation. Auf die Spitzen treiben Lazer Sword diese Irritation direkt in den ersten beiden Stücken des Albums. Im Opener 'Sky Burial' steigt nämlich nie ein Beat ein, obwohl man ihn jeden Moment erwartet. Im darauffolgenden 'Toldyall' flirrt ab und zu mal plötzlich ein Tamburin rein und pumpt die Bass-Drum mal kurz - aber beide verschwinden dann genauso unmittelbar wieder, wie sie aufgetaucht sind. Der zweite Teil des Albums wartet dann mit einigen durchgängigeren Beats auf, allerdings ohne die irritierende Grundstimmung abzulegen. Doch im Song 'Pleasure Zone' lässt sich ausnahmsweise sogar eine Struktur aus Strophe und Refrain erahnen. Der Gesang, wenn überhaupt welcher vorkommt, meldet sich immer nur gesamplet und gestückelt zu Wort. Vom Klang her erinnert er an alte Bekannte: in 'Let's Work' an die vocoder-verfremdete Stimme bei Daft Punk - und in 'Sounds Sane' an Papa Schlumpf. Mit dem sicheren Gefühl zu wissen, was einen erwartet, kann man sich auch zum zweiten Album-Teil nicht bewegen. Aber weil die Musik packt, möchte man es trotzdem tun. Na, dann eben einfach auf gut Glück: Allez-hop!