Im August sollen laut Medienberichten die Hochzeitsglocken läuten bei Rufus Wainwright und seinem deutschen Freund Jörn Weisbrodt. Wie schön! Das macht auch 'Out Of The Game' als das derzeit frische und auch bis dahin aktuelle Album zu einem besonderen Meilenstein. Das poppigste soll es sein, so der Meister selbst, mit den 'Einflüssen der Schrillen und Schönen', wie er sagt, und dazu legte er seine Stimme auch gleich einmal Helena Bonham Carter im Video zur ersten Single auf die Lippen - eine ausgesprochen ausgefallene Idee, die aber zu Rufus Wainwright ohne Weiteres passt. Mit einem Blick zurück stellen wir fest, dass das alles dominierende Klavier, an welches man sich während des Vorgängers 'All Days Are Nights: Songs for Lulu' gewöhnen konnte, für 'Out Of The Game' einer klassischen Bandbesetzung mit häufiger kammerorchestraler Erweiterung - Saxophon, Trompete und Horn inbegriffen - gewichen ist. Was nicht heißen soll, dass Wainwrights Musik nicht wieder einmal vor Zartheit und Schmacht zu triefen in der Lage wäre. Nein, der Mann ist, wie auf dem Cover-Artwork unschwer zu erkennen, ein absoluter Ästhet geblieben und präsentiert mit der kompetenten Hilfe Mark Ronsons eine vollkommen makellose, runde musikalische Abstimmung erlensenster Melodie und ausdrucksstärkster Rhythmen. Während Vokalist Rufus Wainwright in aller Eloquenz und in rohen Mengen erdichtete, unterschwellig-elegante Zuneigungsbekenntnisse vom Stapel lässt, wie üblich gewöhnungsbedürftig, was die Stimmlage anbelangt. So klagt er in 'Song Of You' ('There are many melodies to choose from / but there's only one of you') schwerenöterisch über die Mühen, die er auf sich nimmt, um seinem Gegenüber ein personalisiertes Musikstück auf den Leib zu schneidern. In 'Respectable Dive', einem nicht weniger aalglatten, langsamen Song dichtet er schließlich süffisant im Poker-Jargon: 'And if you only knew of the hand that I'm holding / You would be blushing / And I am so far from bluffing'. Und bei 'Barbara' entstehen schon selbständig schillernde Seifenblasen an den Lautsprechermembranen zum Klang einer verträumten Leadgitarre, gemütlichem Schlagzeug und einigen entspannten Background-Stimmen. Immer wieder gern zur Begleitung herangezogen: die Streicher. Überflüssig, zu erwähnen, dass da auch die gute alte Slide Guitar nicht fehlen darf, die beispielsweise dem Stück 'Sometimes You Need' ein entspanntes Rückgrat verleiht. Eingespielten Menschenmengen-Jubel gepaart mit übermütiger Blasmusik kennt man vom Sgt. Pepper-Album der Beatles, und selbiger verfehlt auch mehr als 40 Jahre später nicht seine Wirkung - siehe 'Welcome To The Ball'. Die größte instrumentale Überraschung lässt aber bis ganz zum Schluss auf sich warten: Im letzten Viertel des knapp acht Minuten langen Finales 'Candles' ertönt ohne jede Vorwarnung ein Dudelsack und schließt 'Out Of The Game' mit befremdlichen, aber kongenial konzipierten Klängen ab. Inmitten dieser pompösen Akkumulation prachtvoll arrangierter, hochexpressiver Regenbogenlieder findet sich allerdings mit 'Montauk' - im Übrigen eine Anspielung auf den vorgesehenen Hochzeitsort des Künstlers - und 'Bitter Tears' ein kleines Blöckchen zweier vergleichsweise eintöniger, weniger dynamischer Stücke, die im Großen und Ganzen und mit gutem Gewissen als entbehrlich abgetan werden können. Wir merken nach alledem: 'Out Of The Game' titelt gar nicht so, wie es sich anhört, und hört sich nicht an, wie es heißt. Ein jeder der zwölf Songs ist dank seiner Farbenpracht im Mindesten als Bankett-Unterlegung für Rufus' Hochzeit denkbar, wenn nicht sogar für die zeremoniellen Akte des Tages. Und sollte irgendjemand auf die Idee kommen, Rufus Wainwright die Einladung zur eigenen Hochzeitsparty zu entwenden, schreibt der einfach ganz pragmatisch noch einen Song mehr, anstatt sich künstlich aufzuregen - ganz wie er es in 'Rashida' mit großer Geste dartut.