Der David Beckham der Heavy-Szene ist wieder zurück. Vier Jahre nach dem letzten Album "An Eye For An Eye" reiten die Dezperadoz um Frontmann Alex Kraft wieder und haben das neue Werk "Dead Man's Hand" in der Satteltasche stecken. Während viele Bands sich thematisch Fantasy- oder Wikingerthemen annehmen, haben sich Dezperadoz inhaltlich wie musikalisch dem Western verschrieben. Kraftvolle Heavy-Sounds treffen auf Ennio Morricone-Melodien, die auch produktionstechnisch dem Original sehr nahe kommen. Nach dem Erstling "Dawn of Dying" (2000), einer längeren Pause, dem 2006er Werk "The Legend and the Truth" (ein Konzept-Album, das sich mit der Western-Legende Wyat Earp befasste) und dem 2008 veröffentlichten "An Eye for an Eye", welches die Geschichte von Hank, einem zum Tode Verurteilten, der 1898 aus Rache seinen Freund erschoss und dafür vom Staat zum Tode verurteilt wurde, erzählte und zahlreichen Touren setzen die Dezperadoz ihren Weg mit "Dead Man's Hand" fort. Verstärkt um Gitarrist Nils Stürzer lädt die Band die Zuhörer erneut auf eine authentische Zeitreise in eine harte, dreckige und vor allem faszinierende Epoche der Geschichte ein. Neben zahlreichen Soundelementen wie das charakteristische Revolvertrommel-Klicken bescheren die 14 Stücke das unbändige Verlangen, sich den verbeulten, staubigen Hut tiefer ins Gesicht zu ziehen, das unrasierte Kinn nach vorn zu schieben und das nächste Glas Whiskey beim Barkeeper gegenüber zu bestellen. Der Opener "Deadwood" besticht durch eine brillante Melodie, die extrem an die Italowestern mit Clint Eastwood erinnert und sofort in die richtige Stimmung versetzt. "Under The Gun" rockt mit ganz dicken Eiern nach vorn und klettet sich ins Ohr wie der Staub in die Kleider bei einem Wüstenritt. "Yippie Ya Yeah (More Than One Good Reason)" ist ein mittlerweile mit den typisch gewordenen Dezperadoz-Trademarks versehener Gute-Laune-Ritt, wie ihn diese Band so hervorragend beherrscht. Eine Nummer, die nach der Bühne schreit. "Just Like Cowboyzz Do" und "My Ol' Rebel Heart" schlagen in dieselbe Kerbe, perfekte Musik für Grillpartys, Rodeos, Pick-Up-Fahrten übers Land und um die Cowboy-Hüte in die Luft zu werfen. "Badlands" besitzt einen dezent modernen Anstrich und versprüht einen gewissen Südstaaten-Vibe mit absolutem Ohrwurmrefrain, "Bullet With My Name" ist eine ruhige, aber saucoole Nummer, die einen breitbeinigen Gang nach dem Hören automatisch nach sich zieht. Insgesamt lässt sich der Band bestätigen, dass sie das abwechslungs- und facettenreichste Album ihrer Karriere mit "Dead Man's Hand" erschaffen hat, allerdings benötigen die Songs einige Durchläufe, um richtig zu zünden, dann allerdings offenbaren sich die Feinheiten, die Abwechslung und die großen Momente des Materials. Was nun Alex Kraft und die Dezperadoz von David Beckhham unterscheidet? Grandiose Flanken in Form von tollen Songs schlägt der Frontmann ebenso wie der englische Kicker. Aber torgefährlicher ist der Dossenheimer. Denn auf "Dead Man's Hand" ist jeder Song ein Treffer.