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Jack White -  Blunderbuss     Artist:  Jack White
    Album:  Blunderbuss
    Label:  Xl/Beggars Group (Indigo)
    Release:  20.04.2012
   Medium:  Album
    Genre:  Alternative Diesen Artikel ausdrucken 
    Autor:  Ben Artikel per Mail versenden 
 

Jack White und Karen Elson feierten ihre Scheidung im größeren Stil als ihre Hochzeit. Schmerzvoll war die Trennung wohl trotzdem. White presste nach der privaten Kapitulation den Song 'Freedom at 21' auf eine Vinylsingle und ließ diese unter großem öffentlichen Tamtam in Nashville an einem Luftballon in den Himmel steigen. Wo die Scheibe schließlich landete, ist nicht überliefert. Wo das nun erschienene Debütalbum des ehemaligen White Stripes-Chefs hingehört, ist dafür umso klarer: auf den heimischen Plattenteller.

Wüst und ungestüm, teils herzhaft polternd, teils sanft-wimmernd wischt White sämtliche Genderstudien vom Tisch und reiht sich in die Riege derer ein, die Trennung zum Thema eines ganzen Albums machten. In gut der Hälfte der 13 Songs wird dem Ich-Erzähler übel von den Frauen mitgespielt. She don't care what colour bruises that she's leaving on me, she's got freedom in the 21st century, klagt White über einem Perkussiongewitter. An anderer Stelle stellt er desillusioniert fest: You broke your tongue talking trash and now you're trying to bring your garbage to me.

Das könnte schnell selbstmitleidig klingen, frauenfeindlich sogar, doch sollte man auf der Hut sein, die Songtexte auf Whites Privatleben zu übertragen, sie rein autobiografisch zu lesen. Denn zum einen sprechen wir hier über den Kontrollfreak und Medienprofi, der die White Stripes zu einem musikalisch-visuellen Gesamtkunstwerk stilisierte und immer wieder Nebelbomben hinsichtlich seiner Beziehung zu Meg White warf. Zum anderen adoptiert er auch auf 'Blunderbuss' natürlich den Blues der Alten. Robert Johnson, Son House, Blind Willie McTell. Bibelfeste schwarze Männer. Unbeugsame Künstler, die alle ihre Probleme mit Frauen hatten. Trinkfreudige Bluessänger, die Frauen gleichsam vergötterten und fürchteten. Wer den Blues als frauenfeindlich verteufelt, hat auch sonst im Leben nicht viel verstanden.

I'm Boo Diddley, singt der 36-jährige Jack White in 'I'm Shakin'', das die zweite Seite der LP eröffnet. Ex-Frau Karen Elson singt im Backgroundchor. Der Song stammt von Rudy Toombs, der vor 50 Jahren starb, und gesungen wurde es seinerzeit von Little Willie John. White inszeniert damit nicht nur ein großartiges Spiegelkabinett, sondern stellt sich wieder einmal in die lange, glorreiche Tradition der Musik des amerikanischen Südens. Schlagzeugerin Carla Azar, Gitarristin Olivia Jean sowie Pianistin Brooke Waggoner bilden das Rückgrad der potenten Backingband, White liefert eruptives Gitarrenspiel und abgedrehte Powerchords, auffällig ist das häufig weit nach vorne gemischte Klavier.

Blues, Country, Americana, Hardrock - White weiß, was er kann und die dynamische Mischung seines ersten Soloalbums macht vor allem eins: unheimliche Laune.


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