Für unsere Erde, ja, sogar für die ganze Welt hat der Mayakalender in diesem Jahr eine ganz besondere Überraschung parat: das Ende. 2012 geht nämlich die Welt unter, und wie könnte man die Apokalypse besser beschließen als mit einem Orchestersatz. Formalin aus Berlin teilen diese Meinung und nehmen die drohende finale Katastrophe zum Anlass, mit ihrem zweiten Album 'Wasteland Manifesto' schon einmal einen akustischen Planentwurf des Lebens in der post-apokalyptischen Einöde vorzulegen. Der orchestrale Einstieg, genannt 'The Infernal Machine', mündet schließlich in die erst knatschenden, dann pumpenden Synthies des Titelsongs 'Wasteland Manifesto' und die starke, stimulierend-fordernde Stimme von Sänger Thomas Liebchen. Eventuelle Angst davor, dass die selbsternannten Begründer des Berlin City Industrial ihre Hörer im Folgenden durch allzu gleichförmigen Einsatz ihrer vollsynthetischen Gerätschaften langweilen, erweist sich im weiteren Verlauf des Albums dank seines angenehmen Abwechslungsreichtums als unbegründet. Dem auf sinngestaltende Weise überzeichneten Gesang stehen die unterschiedlichsten Geschwindigkeiten und Intonationen gut zu Gesicht, und auch das Droppen um einige Tonlagen, wie in 'Fruits Of Evil' - dort gar gepaart mit elisabethanischem Englisch - praktiziert, ist ein sehr willkommenes Feature. Einzig das Deutsche hätten die beiden 'raus lassen können. Die muttersprachlichen Verse des Stücks 'Antiheld' nämlich wollen nicht recht zum Sound von Formalin passen, und die Vocals wirken ausgerechnet dort recht gestellt, statisch und angrenzend albern. Formalin erfinden - und daran ändert auch die neuartige Eigenbezeichnung nichts - den Elektro-Industrial alles andere als neu, machen aber doch gute elektronische Musik, und das auch, ohne dafür volles Rohr aus allen Pfeifen zu orgeln - bei gleichbleibendem Dance-Appeal. Das Verhältnis von Drum'n'Bass und melodiösen Elementen ist zumeist wohlausbalanciert und mit Sicherheit auch über die Genregrenzen hinaus attraktiv. Auch entschleunigte, vergleichsweise dezente Stücke wie 'Dead Fashion' kommen authentisch und kraftvoll daher und bereichern 'Wasteland Manifesto' im Ganzen. Allerdings herrscht bisweilen eine Qualitätsdiskrepanz zwischen den einzelnen Stücken. Mit den stärkeren Nummern wie 'Wasteland Manifesto' oder 'Dead Fashion' ist bei weitem nicht jeder Track ohne Weiteres auf Augenhöhe, sodass man gut daran getan hätte, das 13 Titel umfassende Album ein wenig mehr auf seine Essenz zusammen zu stauchen. Aber wer einmal angefangen hat, zu tanzen, der tanzt auch weiter. Ohne sich dabei unnötig verstauchen zu wollen.