Dass Tyketto nach 18 Jahren ein neues Studioalbum aufnehmen, ist gar nicht so ungewöhnlich. Obwohl der Band um Sänger Danny Vaughn nie der große Durchbruch geglückt ist, haben sie eine treue Fangemeinde. Grund ist der kräftige, melodische Hardrock-Sound, den die Band aus New York City auf nur zwei Studioalben mit Vaughn lieferte. (Ein weiteres sang Steve Augeri ein.) Hier kommt also das dritte. Und Tyketto sind ernsthafter geworden. Der Bezug zum Hairmetal und Stadionrock war immer da, aber der Girls- und Party-Spaßfraktion gehörten sie ohnehin nie an. Jetzt ist ihre Musik sogar noch erwachsener. Der Opener 'Faithless' deutet mit düsterem Beginn und knackigen Riffs zunächst nur an, dass der Tyketto-Sound härter geworden ist. Aber diese Vermutung entkräftet der launige Rock'n'Roller 'Love To Love'. Und so erweist sich das neue Studioalbum vor allem als abwechslungsreich. Da sind einerseits schnörkellose Rocker wie der Titelsong oder 'Sound Off' (fast wieder Stadionrock) und andererseits nette AOR-Standards wie 'Let This One Slide' mit hoher Radiotauglichkeit. Manchmal ist der Radiofaktor allerdings schon zu hoch. Songs wie 'Here's Hoping It Hurts' und 'Battle Lines' haben mit Hardrock schließlich gar nichts mehr zu tun. Das ist irgendwo zwischen Pop und Country. Die Texte sind erwachsen und bodenständig. Bestes Beispiel ist 'Monday', ein Song über die Wirtschaftskrise: 'Me, I like to worry, 'cause worrying's for free. (...) Will your job be here tomorrow, will you be a good investment, 'til something better comes along. All my friends are living in a state of frenzy.' Texte, die Ende der 80er, Anfang der 90er keine Hairmetal-Band gesungen hätte. Aber es passt! Wie erwähnt, plätschern manche Nummern einfach zu sehr dahin. Bei aller Ernsthaftigkeit - Tyketto dürfen auch ordentlich rocken. Oder besser: Sie sollen ordentlich rocken! Und das tun sie auf 'Dig In Deep' leider etwas zu wenig.