Warum noch länger Mensch sein, wenn man auch eine Küchenschabe sein kann? Denn die sind doch in Relation gesehen sowohl um ein Vielfaches widerstands- als auch leistungsfähiger als selbst der physisch vollkommenste Mensch und trotzen seit rund 350 Millionen Jahren konsequent jeglicher planetaren Krise - Hiroshima und Nagasaki inbegriffen. Und wenn sie mannshoch wären - allein schon bei dieser Vorstellung gruselt es einem -, täte ein Mensch gut daran, sich besser nicht im Kurzstreckensprint mit einer Kakerlake zu messen, denn um auch nur mithalten zu können, müsste unser menschlicher Athlet ganze 25 Meter in der Sekunde zurücklegen. 'nolongerhuman' hat vor gar nicht allzu langer Zeit ein Amerikaner namens Robertson sein Ein-Mann-EBM-Projekt genannt und nun, mehr oder weniger bewusst darauf anspielend, eine leblos auf dem Rücken liegende Küchenschabe den Titel seines neuen Albums 'Depersonalization' anführen lassen. Und dann heißt der Mann auch noch Clint - das darf doch nicht wahr sein. Aber alles mit der Ruhe: 'Depersonalization' ist weder übermenschlich, noch erweist sich Robertson auf Album zwei als ein wahrhafter Clint. nolongerhuman beschreibt, so der Musiker, die Welt, wie er sie sehe. Allerdings sind die Worte und Ausdrücke, derer er sich für die Inhalte seiner Stücke bedient, kaum der Rede wert - vorausgesetzt, man versteht sie vor lauter Abdämpfen, Rauschen und Verzerren überhaupt. Also bleibt einem kaum mehr, als sich von den Klängen allein die Welt beschreiben zu lassen. Die wiederum sind zwar nicht schlecht und in ihrem intensiven Rhythmus äußerst stimulierend, aber ihnen wohnt ein doch sehr abgestandener Originalitätsfaktor inne. EBM und Elektro-Industrial sprießen in nur allzu vergleichbarer Gestalt konstruiert alle naselang aus dem Boden wie Unkraut und verleiten, wenn man denn nicht gerade mit Tanzen beschäftigt ist, eher zum müden Künstlergähnen. Keinen hervorhebungswürdigen Track, geschweige denn musikalische Schlüsselerlebnisse gibt es dementsprechend zu vermelden, vorausgesetzt, man geht davon aus, dass es sich beim dramatischen, klangcollagierten 'Abandonment' um ein überlanges Interlude handelt. Däng däng, twee dee boop. Drrr. Fazit: The cake is a lie. The cockroach, too.