Wer Doom sagt, muss auch Saint Vitus sagen. So ist das Gesetz, denn Saint Vitus gehören zu den Pionieren des Metal der langsamen, drückenden Sorte und sind mittlerweile seit über 30 Jahren im Geschäft, blendet man die kurze Auflösung und Wiederformierung einmal aus. Aber auch wenn man den Herren ihr Alter mittlerweile etwas ansieht, haben sie es immer noch auf dem Kasten und hauen mal prompt ihr achtes Studioalbum mit dem kuriosen Namen "Lillie: F-65" auf den Markt, um den Jungspunden nach 17 Jahren zu zeigen, wie Doom ihrer Meinung nach gemacht wird. Zwar konnte kein Album der Band mehr an das 1986er "Born Too Late" rankommen, dennoch hatten die Veröffentlichungen immer eine überdurchschnittliche Qualität und nicht weniger ist vom neuesten Album zu erwarten, obwohl sich seit 1995 wohl einiges verändert hat. Dennoch ist es wohl gerade die vergangene Zeit, die "Lillie: F-65" den Wind aus den Segeln genommen hat. Die sieben Tracks wirken, als wären sie vor zwanzig Jahren entstanden, was einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Denn eigentlich funktionieren die Songs verdammt gut und haben immer noch den charakteristischen Groove, der Saint Vitus so einzigartig macht. "The Bleeding Ground" und "The Waste Of Time" sind zeitlose Stücke, die ohne viel Schnörkel und Drumherum auskommen. Da gibt es die wilden Gitarren von Dave Chandler und natürlich den rotzigen Gesang von Wino höchstselbst, die zum Stampfen und mitsingen einladen. Zwar werden keine Doom-Hymnen geboten, aber klassische Untergangswalzen, ohne nennenswerte Schwächen. Wäre da nicht der Umstand, dass jegliche Innovation komplett an Saint Vitus vorbei gerauscht ist. Auf der einen Seite ist das natürlich wieder gut, da der Wiedererkennungswert sofort zündet. Allerdings bleibt der Zuhörer vor jeglichen Momenten gefeit, in denen er vor Freude jauchzen möchte aufgrund des vertonten Einfallsreichtums. Ein kleiner Blick in Richtung des aktuellen Geschehens hätte da auch Legenden, wie Saint Vitus sie sind, nicht geschadet. Dabei ist "Lillie: F-65" ein wirklich hörenswertes Album, das den alten Doom-Geist mal wieder belebt. Aber gerade nach so langer Zeit hätte man sich doch einiges mehr erwarten können, besonders bei dem Gedanken, wie viel geballte Spielerfahrung hinter der Formation steckt. Alteingesessene Fans werden aber sicherlich ihre Freude haben, auch wenn es die sieben Stücke nur auf eine Gesamtzeit von knapp über einer halben Stunde schaffen, was schon fast an Wucher grenzt. Falls noch unter den Lebenden, nächstes Mal ein bisschen mehr für's Geld, danke!