Was den Einfluss auf die Black-Metal-Szene angeht hat Frankreich Norwegen längst übertroffen - während die Nordländer sich allzu oft nur noch auf ihrem verblassenden Ruhm ausruhen, haben die Franzosen noch einiges zu bieten: Bands wie Blacklodge, Diapsiquir oder Hell Militia interpretieren den Black Metal modern-urban und damit in der Regel wesentlich ernstzunehmender als es die naiv-adoleszente Hetze gegen das Christentum Anfang der 90er jemals war. Auch Vorkreist stellt hier keine Ausnahme dar: Der abgrundtief finstere Black/Death Metal thematisiert und zelebriert Verfall und Degeneration - Satanismus spielt sicherlich eine große Rolle in den Text, allerdings auf eine fundierte und orthodoxe Weise. 2009 wurde der damalige Sänger gegen niemand geringeren als Saint Vincent (seines Zeichens Vokalist der bereits erwähnten Blacklodge) ausgetauscht. Versuchte dieser auf dem im selben Jahr erschienenen 'Sickness Souvereign' noch seinen Vorgänger zu imitieren - ein eher missglücktes Experiment, das in ein durchschnittliches Album mündete - so liefert 'Sigil Whore Christ' nun endlich eine perfekte Symbiose aus dem Gesangsstil von Saint Vincent und Vorkreist's Musik. Allgemein scheint sich das aktuelle Werk musikalisch an Blacklodge anzunähern, ohne dabei zur inspirationslosen Kopie zu werden. Stücke wie das bedrohliche klingende 'Deus Vult' liefern einfach den Beweis, dass der Blacklogde-Fronter nun ein wirklicher Teil der Band ist. Dabei kommen die Franzosen nicht minder brachial und düster als auf ihrem ersten Alben daher, wirken dabei aber bedeutend experimenteller und technisch versierter, was vor allem der Atmosphäre (man achte auf den sinistren Zwischenpart in 'Memento Mori') und Abwechslung (beispielsweise der Killersong 'Ad Nauseam') zu Gute kommt. Wer nach dem relativ schwachen 'Sickness Souvereign' schon Schlimmstes für Vorkreist befürchtet hat, kann aufatmen: 'Sigil Whore Christ' ist ein wahres Brett und steht den ersten beiden Alben in nichts nach!