Wenn Kinder-Fußballvereine in den Sommerferien mal zusammen mit den Trainern eine Wochenend-Fahrradtour unternehmen, messen sie sich nicht nur auf dem Rasen, sondern auch am Frühstückstisch. Da geht es dann darum, wer die ungewöhnlichsten Kombinationen im Brotbelag hinbekommt. Der Gewinner ist meistens: Fleischwurst mit Marmelade. 'Bäääh', rufen die anderen. 'Wieso? Schmeckt doch voll geil!', ruft der Sieger. Das Besondere dabei ist, Deftiges und Süßes gemeinsam zu genießen. Nur Fleischwurst kann jeder. Und nur Marmelade auch. Deswegen ist auch die Musik der schwedischen Band Suis La Lune etwas Besonderes. Denn auf ihrem zweiten Album 'Riala' verbinden auch sie etwas, was eigentlich gar nicht zueinander passt: Hardcore und Pop. Und diese Kombination führt nicht dazu, dass sich der Hardcore verweichlicht anhört, sondern - so wie die Marmelade auf der Fleischwurst eine Herausforderung darstellt - der Pop gibt dem Ganzen erst den Kick ins Außergewöhnliche. Ihr aggressives Shouten wie bei Pianos Become The Teeth, La Dispute oder Touché Amoré reichern Suis La Lune an mit Elementen wie Trompeten-Piano-Instrumental ('Wishes & Hopes') oder cleanen, melodiösen Background-Chören ('Stop Motion', 'In Confidence'). Im Stück 'All That Meant Something' kann man sogar mitsingen, wenn Suis La Lune zwischendurch die Breitband-Gitarren auspacken und daraus eine Stadionrock-Hook zaubern: 'You took it away from me, you took it away.' Diese zerlegen sie aber direkt danach wieder in gezappelte Rhythmen. Dass das abschließende Stück des Albums ('One and All, Every Bit') im Vergleich zum Rest ein wenig abflacht, liegt genau daran, dass es dort fast keine Pop-Elemente mehr gibt, die alles durcheinander wuseln. Es ist ein solider Hardcore-Song, der aber eben nicht dieses Einzigartige hat, was Suis La Lune auf dem Großteil des Albums etablieren. Ihre Stücke funktionieren dann am besten, wenn Pop-Elemente unerwartet das Hardcore-Gerüst durcheinander rütteln. Diese Konzeption ist im Grunde genommen viel härter als purer Hardcore.